Männerwolle
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Männerwolle, Episode 2: Schal de Gaulle

Maennerwolle - schal de gaulle

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so bald wieder einen Artikel schreiben würde, aber ich wartete gerade auf meinen Heimflug nach Köln, während Daniela bis über beide Ohren im Weihnachtsgeschäft steckte, und dachte mir, dass ich ja einfach mal einen weiteren Artikel anfangen könnte.

Ich möchte heute über ein Thema schreiben, welches zwar mit unserer Wolle und den Kits zu tun hat, aber generell in allen möglichen Bereichen relevant ist – Namen. Wir alle kennen die Friseursalons, die nach vielen grauen Jahrzehnten entdeckt haben, dass Sprache nicht nur für das Reden während des Frisiervorgangs taugt, sondern auch die Möglichkeit bietet, das Geschäft ander als „Salon Erika“ zu nennen. Etwas zaghaft fing dieser Trend an, mit „Kamm und Schere“ oder „Haarkultur“, nur um dann sehr schnell zu Namen wie „Hair-einspaziert“, „Vorhair-Nachhair“, „Pony & Clyde“ oder „British Hairways“ zu eskalieren. Der Großteil davon ist wirklich „haart an der Grenze“. Dennoch kann ich, wie man vielleicht am Namen „Wolldemort“ in meinem letzten Beitrag sehen kann, eine gewisse Sympathie für abgedrehte Wortspiel-Namen nicht verleugnen

Als Daniela „Gemacht mit Liebe“ als Blog begann, standen zwei oder drei Namen im Raum, einer davon auch „Was mit Wolle“. Damals gab es noch keinerlei Pläne, einmal einen Online-Shop daraus zu machen oder mit dem Blog selber Geld zu verdienen. Wenn man heute mit Onlinemarketing-Spezialisten darüber redet, schlagen diese die Hände über dem Kopf zusammen, weil die Begriffe aus „Gemacht mit Liebe“ in unendlich vielen Texten vorkommt und ganz schlecht für die Auffindbarkeit sind. Darum hadern wir auch immer mal wieder mit dem Namen und überlegen, ob man ihn ändern sollte, kommen aber immer wieder zum Schluss, dass unser Marketing-Budget nicht für eine sinnvolle „Raider heißt jetzt Twix“-Werbekampagne ausreicht. Die Raider-Twix-Umbenennung ist jetzt übrigens schon 27 Jahre her und immer noch heißt der Schokoriegel in meinem Kopf Raider.

Aber zurück zur Wolle. Es gibt natürlich auch hier eine beträchtliche Bandbreite an mehr oder weniger kreativen Namen. Namen von Herstellern, Namen einzelner Garne, Bezeichnungen für Farben und Namen von Tüchern oder Schals. Fangen wir einmal im kreativen Nichtschwimmerbecken an: Wolle heißt zum Beispiel „Merino 400“ und gibt mit dem Namen einfach über die Wollqualität und die Lauflänge (400 Meter auf 50 Gramm) Auskunft. Wolle heißt aber zum Beispiel auch „Rellana Regenbogen Fun“ oder „Manos de Uruguay Maxima“ oder „Cowgirlblues“. Die gemeinnützige Organisation „Manos de Uruguay“, also Hände aus Uruguay, heißt so, weil es sich ausschließlich um handgesponnene und handgefärbte Wolle aus Uruguay handelt. Die Fair-Trade-Wolle kommt aus 12 Genossenschaften in kleinen Dörfern des uruguayischen Hinterlands und alle Gewinne kommen den Familien in diesen Genossenschaften zugute. Die sehr edle „Road to China“ ist eine Wolle von „The Fibre Co.“, deren Name natürlich auf die Seidenstraße Bezug nimmt und neben Baby Alpaka, Kamelhaar und Kaschmir-Wolle zu 15% aus Seide besteht. Es gibt auch filzige Garne namens „Reggae“ oder Garne mit langen und überraschenden Verläufen mit dem Namen „Zauberball“. Diese Zauberbälle haben dann noch einmal bestimmte Namen für die verschiedenen Farbverläufe. Das bringt für mich ganz eigene Probleme mit sich, wenn ich mal wieder helfe, die Bestellungen zu verpacken. Zum passenden Regal gehen und eine „Kremke Soulwool“ in „Bordeaux“ oder „Petrol“ herauszusuchen ist ganz einfach, ganz anders gestaltet sich das aber bei den Farben „Malerwinkel“, „Sanduhr“ oder „Jacke wie Hose“.

Die Namensfindung spielt natürlich auch bei unseren eigenen Schals, Tüchern und Wollen eine Rolle. Wir haben bei sehr viel Freude an Wortspielen, auch wenn Daniela das ab und zu hinter einem gequälten Aufstöhnen zu verbergen versucht. Ich habe einmal auf Twitter gescherzt, dass ich eine Kneipe auf der Insel Föhr eröffnen und „Hauptquartier“ nennen würde – „Föhrer Hauptquartier“. Unsere eigene handgefärbte Wolle heißt „Knit Happens“ oder „Komme was Wolle“ und die Farben schonmal „Bergsee“, „Kaffeklatsch“ oder „I Shot The Sheriff“. Das Benennen von Schals führt allerdings regelmäßig direkt in die Wortspielhölle. Von „Schals Darwin“ und „Prinz Schals“ über „Schali Brown“, „Schali Sheen“, und „Schali Chaplin“ bis zu „Schalmagne“ und „Schal de Gaulle“ reicht die Palette der Namen, die dann aber natürlich keine Verwendung finden.

Es geht aber auch anders. Im August 2017 waren wir im Urlaub auf der Isle of Man und am ersten Tag sind wir dort mit der uralten elektrischen Bergbahn auf die höchste Erhebung der Insel gefahren. Auf dem Gipfel war es erstaunlich kühl und windig und ich wünschte mir einen warmen Schal. Als Daniela mir dann im Herbst einen weichen Schal aus der Wolle Puno strickte, hieß der dann wie der höchste Berg der Isle of Man – „Snaefell“.

Ich wünsche allen Lesern weiter eine schöne Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest. Zwischen Weihnachten und Neujahr werde ich mich noch einmal mit einem weiteren Artikel melden.

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7 Kommentare

  1. Karin sagt

    Ein toller Artikel!
    Zum Hauptquartier nach Föhr würde ich natürlich kommen…..dort bin ich sehr gerne. Ganz bald auch wieder;).
    Schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch
    von Karin

  2. Anja Kramer sagt

    Wunderbarer kreativer Artikel ! Ich liebe solche Wortspielereien, haben mich gerade nach langer Zeit mal wieder zum Lachen gebracht, vielen Dank ! Hätte ich nicht nicht noch genug tolle Wolle und schon so viele verschiedene Schals, ich könnte heute glatt auf die Idee kommen mir als Geschenk aus Versehen vorsichtshalber noch etwas Wolle zu kaufen ? Komme was wolle, alles Jute !

  3. Michaela sagt

    Vielen Dank für deinen Artikel. Ich saß lachend am Frühstückstisch. Ich lese eure Artikel sehr gerne.
    Ein schönes, ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr!
    LG, Michaela

  4. Nicole Wais sagt

    Ganz toll geschrieben und sehr amüsant zu lesen… Gerne mehr davon!
    Ein schönes Weihnachtsfest mit vielen gemütlichen Stunden wünscht Euch
    Nicole

  5. Anke Ehlers sagt

    Wunderbar, dein Artikel! Sowohl von Sprache und Stil her wunderbar zu lesen, als auch inhaltlich wunderbar interessant.
    Mein Vater hatte die Idee, eine Kneipe “Büro” zu nennen…… “Schatz, ich bin noch im Büro”.

  6. Bärbel sagt

    Herrlich erfrischend dieser Artikel und die Gedanken zur Namensfindung! Selten so gelacht….! Schal de Gaulle usw. finde ich übrigens sehr lustig und warum nicht mal ein Strickwerk so nennen :)

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