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Englische Strickbegriffe oder: Keine Angst vor englischsprachigen Strickanleitungen

Englische Strickbegriffe

Englische Strickbegriffe – wer gerne strickt, kommt nicht darum, sich mit diesem Thema früher oder später zu beschäftigen. Viele Strickdesigner kommen aus den USA, Großbritannien oder anderen fremdsprachigen Ländern, Stricken ist schließlich ein international. Nachdem es in meinem Shop nun auch einige Anleitungen nur auf englisch gibt, bekomme ich ab und an E-Mails mit der Frage, ob es denn diese Anleitungen nicht in einer deutschen Übersetzung gäbe, weil man damit nicht so gut zurecht kommt. Nun kann ich natürlich nicht einfach Anleitungen anderer Designer übersetzen. Aber ich kann ein paar praktische Tipps zum Umgang mit englischsprachigen Strickanleitungen geben, die das Stricken damit für Strickanfänger ein wenig einfacher machen kann.

1. Englische Anleitungen sind einfacher

Zu allererst: Niemand muss wirklich Angst vor englischsprachigen Anleitungen haben, denn sie sind in der Regel besser zu verstehen als deutschsprachige, weil sie meistens logischer aufgebaut und einfacher geschrieben sind. Ich selber habe zum Beispiel aufgrund einer Dyskalkulie (Schwiergkeiten mit Mathe) ganz oft Probleme damit, schriftliche Erklärungen zu verstehen. Als ich zum ersten Mal mit einer englischen Anleitung strickte, war es für mich daher fast eine Offenbarung. Denn damit konnte ich sehr viel besser arbeiten, weil nicht mit Text erklärt wird, was zu stricken ist, sondern mit Zeichen und Abkürzungen. Und diese sind dazu ebenfalls einfacher als die deutschen zu verstehen: “P2” zum Beispiel bedeutet “2 links”. Im Englischen wird also zuerst gesagt, was ich stricken muss und dann erst, wieviel davon. Stricken hat daneben in den USA und in Großbritannien eine andere Tradition als in Deutschland, so dass auch Anleitungen lange Zeit deutlich professioneller verfasst worden sind als noch vor ein paar Jahren bei uns. Denn hier gab es schon sehr viel länger gewisse Standards, an die sich die Designer hielten.

2. Anleitungen auf Ravelry kaufen

Strickanleitungen in Büchern sind oft etwas zusammengekürzt, weil Verlage mit den Seiten in einem Buch sehr streng kalkulieren müssen. Das kann auf Kosten der Anleitung gehen. Wenn der Platz eng wird, muss gekürzt werden und das geht dann oft aus Kosten der Anleitung. So fliegt dann halt auch mal eine Skizze heraus, auf der zum Beispiel die Form des Tuches und die Strickrichtung hätten gezeigt werden sollen. Informationen, die auf den Fotos mit den fertigen Modellen ja nicht erkennbar sind. Das ist auf einer digitalen Anleitung natürlich anders. Platz spielt hier in der Regel keine Rolle, während die Designer sich natürlich viel Mühe geben, eine möglichst gute Anleitung zu schreiben, damit möglichst viele sie nachstricken oder weiterempfehlen.

Ich kaufe daher meine Anleitungen prinzipiell am liebsten bei Ravelry, der weltweit größten Plattform rund ums Häkeln und Stricken. Ich kann jetzt hier keine Einführung zu Ravelry geben, aber: Wer noch keinen Account dort hat, sollte sich dringend einen zulegen. In Bezug auf Anleitungen kann man jedenfalls sagen, dass alle, die hier veröffentlicht wurden, tatsächlich gut geschrieben wurden und auch funktionieren. Weitere Pluspunkte von Ravelry: Für gekaufte digitale Anleitungen bekommt man automatische Update, falls es Änderungen geben sollte. Fast alle Designer bieten außerdem eigene Gruppen an, in denen man sich mit anderen austauschen kann oder weitere Hilfestellungen findet. Und nicht zuletzt kann man schauen, wie andere User die Anleitung nachgestrickt haben und so weitere Informationen zu Garnalternativen und Co. finden. Es gibt natürlich auch noch weitere Portale, ich persönlich würde aber zu Ravelry raten, weil sie einfach die besten Funktionen anbietet.

3. Aufbau der Anleitung checken und sich einen Überblick verschaffen

Wer sich nun eine Anleitung besorgt hat, sollte nicht gleich damit anfangen, sie komplett zu übersetzen, vor allem nicht, wenn man mit dem Englischen Schwierigkeiten habt. Verschafft Euch erst einmal einen Überblick. Anleitungen sind in der Regel gleich aufgebaut: Neben allgemeinen Infos zum Projekt und vielleicht zum Designer gibt es Angaben zu Nadeln, Garn und Maschenprobe. Irgendwo gibt es außerdem immer einen Bereich, in dem die verwendeten Strickbegriffe, bzw. deren Abkürzungen erklärt werden. Erst dann folgt die eigentliche Anleitung, meist gegliedert in einzelen Bereiche.

4. Die Anleitung übersetzen

Wenn es mit dem Englisch lesen nicht so klappt: Nutzt für die allgemeinen Infos doch einfach einen Online-Translator. Macht Euch ein neues Textdokument auf und schickt nach und nach die einzelnen Info-Blöcke der Anleitung durch den Translator. Der Google-Translator zum Beispiel ist gut, etwas bessere Ergebnisse liefert Deepl Und auch, wenn Fachbegriffe selten wirklich korrekt übersetzt werden: Das kann trotzdem helfen, sich einen ungefähren Eindruck von dem zu bekommen, was die Designerin oder der Designer erzählen möchte und um was es überhaupt geht.

5. Englischsprachige Strickbegriffe übersetzen

Als nächstes nehmt Ihr Euch den Infoblock für die verwendeten Strickbegriffe und ihre Abkürzungen vor. Diese kann ein Translator natürlich nicht übersetzen. Ist aber kein Problem, denn dafür gibt es im Netz natürlich auch Hilfestellungen. Auf vielen Seiten gibt es Übersetzungen dieser Strickbegriffe ins Deutsche, einfach mal googeln. Arbeitet damit die Liste in Ruhe durch. Beachtet dabei: Designer verwenden oft unterschiedliche Schreibweisen für ein und die selbe Sache. Was daher vielleicht anfangs Verwirrung stiftet, löst sich daher meistens ganz schnell von alleine auf, weil man merkt, dass der Begriff eine bereits bekannte Sache nur anders beschreibt. Versteht man trotzdem nicht, was gemeint ist: Auf Youtube gibt es zu praktisch allen Maschen Videos, in denen sie erklärt werden und auch wenn sie auf englisch sieht, kann man damit immer etwas lernen.

Daneben gibt es für an sich gleiche Maschen oft verschiedene Möglichkeiten, sie zu stricken. Zunahmen können zum Beispiel durch Umschläge, zweimaliges Abstricken von vorne und von hinten (kfb) einer Masche oder durch Aufnahmen durch den Querfaden gemacht werden, der dann rechts oder vielleicht sogar rechts verschränkt gestrickt wird. Gleiches gilt für Randmaschen oder die ersten Reihen eines Tuches, hier strickt auch jeder anders. Manchmal kann man einfach zu seiner bevorzugten Methode switchen. Dabei allerdings beachten, dass das Ergebnis dann natürlich auch ein klein wenig anders aussehen wird. Zunahmen durch Umschläge ergeben zum Beispiel ein kleines Lochmuster, Zunahmen durch kfb aber eben nicht.

6. Suchen und ersetzen

Mir geht es oft bei Anleitungen – englischen wie auch deutschen – so, dass ich zwar absolut weiß, was zu tun ist, aber dass mir die Art der Schreibweise Probleme macht. Ich selber schreibe in meinen eigenen Anleitungen zum Beispiel immer zwischen die Maschen einen langen Strich und komme nicht so gut damit klar, wenn jemand das mit Kommas macht. Das hat einfach mit meiner Dyskalkulie zu tun. Was mache ich dann? Ich nutze dann die Word-Funktion “Suchen und Ersetzen” und lasse einfach alle Kommas durch schöne lange Gedankenstriche ersetzen und schon kann ich damit sehr viel einfacher arbeiten. Klingt albern, aber wenn es hilft, ist es doch super. Das kann man natürlich auch mit englischen Abkürzungen machen und zum Beispiel alle “P2” durch “2 Links” oder was auch immer man mag, ersetzen lassen.

7. Aller Anfang ist schwer, aber danach läuft es

Eine Erfahrung habe ich immer wieder gemacht: Die ersten paar Reihen eines neuen Projekts sind oft die kompliziertesten. Man braucht einfach imemr eine Weile, um mit einem neuen Projekt warm zu werden. Anfänge sehen außerdem gerade bei Tüchern immer etwas komisch und nicht so hübsch aus. Erst nach einigen Reihen entfaltet sich das Muster und man kommt in einen guten Strickrhythmus. Viele Tücher fangen zum Beispiel damit an, dasss man zwei Maschen anschlagen und dann einige Reihen hin- und herstricken soll, das Teil dann um 90 Grad dreht und nun durch Einstechen in die Randmaschen neue Maschen aufnimmt. Das sieht danach immer ganz furchtbar aus (bei mir jedenfalls), nach ein paar Reihen sieht man aber von den Unregelmässigkeiten praktisch nichts mehr. Als erst einmal nicht von so etwas beirren lassen, sondern in Ruhe weiterstricken und abwarten, bevor man den Anfang entnervt aufribbelt. Nach ein paar Reihen sieht man davon nämlich meistens praktisch nichts mehr.

Das waren ein paar Tipps aus meiner eigenen Strickpraxis zum Umgang mit englischen Strickbegriffen und englischsprachigen Anleitungen. Ihr habt sicher noch einige weitere auf Lager? Schreibt einfach Eure Tipps unten in die Kommentare!

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8 Kommentare

  1. Strumpflilli sagt

    Googelt doch einfach mal nach:
    Liste englischer Strick-Begriffe.
    Ich habe da eine sehr nützliche PDF-Datei gefunden.

  2. Nicole Wais sagt

    Liebe Daniela,
    Ich hatte seither immer Angst vor englischen Anleitungen und hab deshalb leider sehr oft darauf verzichtet, das eine oder anderetolle projekt anzuschauen.
    Meine 1. englische Anleitung ist nun der Boxy und ich freu mich so, dass der gedankliche Knoten geplatzt ist und mein Pulli fast fertig und ich mega glücklich!

    Nicole

  3. Fronmüller Yvonne sagt

    Danke für deine ausführliche Erklärung. Ich habe mich auch davor gedrückt eine englische Anleitung zu stricken. Aber deine Tipps helfen mir bestimmt.
    Liebe Grüße Yvonne

    • Daniela sagt

      Hallo Yvonne! Super, das freut mich sehr!! Es ist sicher nicht ganz einfach am Anfang, aber wenn ich einigen meinen Lesern die Angst ein bisshen nehmen kann, wäre das großartig. Liebe Grüße! Daniela

  4. Marina sagt

    Hallo Daniela,

    vielen Dank für die ausführlich erklärten Tipps, damit werde ich es gerne nochmal probieren. Bisher habe ich mich an die englischen Anleitungen immer so gar nicht getraut, ich fand das immer zu kompliziert. Dabei gibt es so schöne Anleitungen auf Ravelry, die ich gerne stricken möchte. Wenn man mit den englischen Anleitungen klar kommt, hat man einfach so viel mehr Auswahl. Ich werde es jedenfalls einfach noch einmal versuchen, das muss ja klappen, oder?

    Herzliche Grüße aus Berlin,

    Marina

  5. Juliane sagt

    Ich kann Deine Ausführungen nur bestätigen. Ich habe mich früher auch vor englischen Anleitungen “gefürchtet”.
    Dann hab ich mich intensiv damit beschäftigt und wenn ich einen Text gar nicht verstanden habe, habe ich bei ravelry andere Strickerinnen gefragt und immer schnell Hilfe bekommen.
    Inzwischen stricke ich lieber nach englischen Anleitungen und das ist ganz selbstverständlich geworden.
    Dein Text wird hoffentlich viele Strickerinnen ermutigen, es auch zu probieren!

  6. Sehr ausführlich und gut geschrieben. Auch ich finde englische Anleitung in der Regel präziser und einfacher nachzustricken. Meist gibt es die Formulierungen wie: “andere Seite gegengleich stricken” nicht, sondern die andere Seite ist genau in allen Einzelheiten beschrieben. Das räumliche Denken ist nämlich eher das, was mir manchmal kleinere Probleme bereitet.

    Zum Thema “Ravelry” (auch mein liebstes Zuhause): über die Anleitung kann man auch andere gestrickte/gehäkelte Projekte nach der jeweiligen Anleitung sehen, und oft sind diese mit Kommentaren versehen. Seit Kurzem gibt es auch die Suchfunktion nach anderssprachigen Notizen. Dort kann man dann einfach “deutsch” ankreuzen.

    Ich habe deinen Artikel gleich mal zu einem Kommentar in meinem Blog verlinkt, das passte gerade ausgesprochen gut.

    Liebe Grüße
    Berit

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