Schönes und Praktisches

Wolle waschen und pflegen – Tipps und Tricks

Wolle waschen und pflegen

Wolle waschen und pflegen – Tipps und Tricks

Wolle waschen und pflegen – wie macht man das richtig? Immer mal wieder gibt´s hier im Blog Fragen dazu. Klar – wer hochwertige Garne einkauft und verarbeitet, will daran schliesslich auch lange Freude haben. In meiner Facebook-Gruppe unterhielten wir uns erst neulich noch darüber und jemand schrieb, sie würde fürs Waschen einfach immer Shampoo verwenden. Genau das aber genau sollte man auf gar keinen Fall tun, denn es macht die Wolle auf Dauer rau und stumpf. Meine Schwiegermama hat übrigens genau das mit all den Socken gemacht, die ich ihr gestrickt hatte –  die Socken sind nun alle nicht mehr wirklich schön. Gutes Wollwaschmittel gibt´s in jedem Supermarkt, hier im Shop habe ich außerdem Eucalan, in dem nochmal zusätzlich Lanolin enthalten ist, das Wolle extra geschmeidig und kratzrei macht. Zur Wollpflege selber will ich Euch heute aber ein bisschen ausführlicher ein bisschen was erzählen. Denn der richtige Umgang mit Wolle lohnt sich: Wer sorgsam mit seinen gestrickten und gehäkelten Wollstücken umgeht, wird daran lange Freude haben. Richtige Pflege ist außerdem nicht kompliziert, wenn man ein paar wenige Dinge beachtet.

Wollpflege: Die Basics

Das wisst Ihr natürlich alle: Wenn man Wolle kauft, guckt man am besten erst einmal auf die Banderole. Denn hier finden sich alle wichtigen Hinweise über die Zusammensetzung, die Lauflänge, die Maschenprobe aber vor allem auch zur richtigen Pflege. Also ob man das Garn in der Maschine waschen darf, welche Temperatur es verträgt und ob man es in den Trockner geben darf. Am besten bewahrt man diese Banderole also auf. Doch was, wenn sie fehlt oder wenn man das Strickstück geschenkt bekommen hat, ohne dass ein Etikett mit dabei war? Wie soll man also am besten Wolle waschen, ohne dass das Gestrick oder die Faser dabei leidet? Wir alle kennen vermutlich noch von früher diese fusseligen, verzogenen Wolllappen, die unangenehm kratzen, obwohl sie irgendwann mal richtig schöne, weiche Strickstücke waren… Dabei ist das mit der richtigen Pflege eigentlich gar nicht so kompliziert. Beim Wolle waschen sind nämlich nur drei Dinge wichtig: Man braucht das richtige Waschmittel, man muss sich an die passende Temperatur halten und nicht zuletzt mag Wolle keinerlei Reibung oder andere mechanische Beeinflussung. Warum das so ist, erklärt sich schnell, wenn man ein bisschen etwas über die Beschaffenheit der Wollfaser weiß.

Die Beschaffenheit der Wollfaser

Die Wollfaser besteht wie Menschenhaar aus Keratin, einem Eiweiß. Es gibt drei Schichten: Im Inneren befindet sich die Markschicht (Medulla), die für Festigkeit des Haares sorgt. Darüber liegt der Faserstamm (Cortex) und umschlossen wird das alles von der äußeren Schuppenschicht (Cuticula). Je nach Schafrasse sind die einzelnen Fasern unterschiedlich ausgeprägt. Je dicker die mittlere Schicht ist, um so elastischer und dehnbarer ist die Faser. Ist dagegen die innere Schicht sehr dick, ist das Haar brüchig. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Lanolin, selbstproduziertes Fett, das durch die Talgdrüsen abgesondert wird und das Haar umschließt. Es glättet die äußere Schuppenschicht und schützt die Faser vor Schmutz. Außerdem sorgt Lanolin dafür, dass sie sich nicht nass anfühlt, obwohl das Innere der Faser bis zu 30 Prozent Feuchtigkeit aufnehmen kann. Meist reicht es daher also schon, Gestricktes einfach nur gut zu lüften. Gerüche lösen sich damit praktisch in Luft auf. Man muss Wolle also erst gar nicht so oft wie zum Beispiel Sachen aus Baumwolle oder anderen Fasern waschen.

Was uns die Banderole verrät

Die einzelnen Waschzeichen muss ich glaube ich nicht nochmal erklären, wer sich nicht sicher ist, kann das zum Beispiel auf Wikipedia nachlesen. Wichtig aber: Der Hinweis „pflegeleicht“ bedeutet nicht, dass man in der Maschine waschen darf. Es ist eher ein allgemeiner Hinweis darauf, dass die Wolle waschbar ist und dass sie nach dem Waschen auch gut wieder trocknet. „Superwash“ bedeutet dagegen, dass das Garn noch extra mit dem Hercosett-Verfahren behandelt wurde. Dabei wird zunächst ein Teil der Schuppen mit Hilfe von Chlor abgelöst. Vor dem Spinnen wird die Wolle dann mit Polyamid-Epichlorhydrinharz behandelt, der mit dem Keratin der Wolle chemisch reagiert. Das Ergebnis ist eine deutlich unempfindlichere Wolle, die weniger pillt, bzw. weniger verfilzen kann. Ganz oft kann sie dann später nicht nur in der Maschine gewaschen, sondern auch im Trockner getrocknet werden. Auf der Banderole findet sich dazu oft auch der Hinweis „filzfrei“ oder „filzfrei ausgerüstet“.

Temperaturunterschiede, Reibung und das falsche Waschmittel: Was Wolle alles nicht mag

Ob man die Wolle nun von Hand oder in der Maschine wäscht – drei Dinge sind beim Wolle waschen und pflegen wie oben erwähnt, absolut tabu, nämlich heftige Temperaturunterschiede, reiben, wringen und rubbbeln sowie das falsche Waschmittel.

Reibung: Die meisten Waschmaschinen bieten für die Wollwäsche ein extra Programme an: Nutzt es bitte. Im Wollwaschgang dreht sich die Trommel weniger, außerdem wird nicht oder kaum geschleudert. Am besten benutzt man aber zusätzlich trotzdem noch ein möglichst kleines Wäschenetz, in dem das Wäschestück möglichst fest liegt ohne herumzurutschen und an sich selber zu reiben. Das schützt zusätzlich vor dem Verfilzen. Bei der Handwäsche gilt ansonsten natürlich ebenfalls strengstes Reibeverbot: Die Wolle also nur ganz sanft drücken und möglichst wenig bewegen. Einweichen ist hier außerdem Trumpf.

Die richtige Temperatur: Wer selber Wolle färbt, weiß, dass sie hohe Temperaturen durchaus vertragen kann, denn beim Färben wird die Wolle Temperaturen von rund 90 Grad ausgesetzt. Was sie aber gar nicht mag, sind krasse Temperaturunterschiede. Man kann also Wolle durchaus auch heiß waschen – allerdings muss man sie dann langsam herunterkühlen. Auf keinen Fall darf man also heiße oder warme Wolle mit deutlich kühlerem Wasser spülen. Das Spülwasser sollte entsprechend immer die gleiche Temperatur wie das Waschwasser haben! Wollhersteller gehen daher auf Nummer sicher und geben an, dass man die Wolle “handwarm” waschen soll, denn dann sind die Temperaturunterschiede natürlich nicht ganz so hoch und man ist auf der sicheren Seite.

Wollwaschmittel verwenden: Auf dem Markt gibt es eine Reihe von Wollwaschmitteln – bitte nur so eines verwenden und sich beim Waschen an die angegebene Menge halten, also nicht zu viel verwenden. Weniger ist hier oft mehr. Flüssiges Waschmittel ist übrigens immer sehr viel besser als pulverisiertes geeignet, denn Pulver setzt sich gerne mal unschön in den haarigen Fasern ab.

Wollwaschmittel zeichnen sich ansonsten durch eine eigene Zusammensetzung aus: Sie schäumen weniger und enthalten keine Protease, die in herkömmlichen Waschmitteln für die Zersetzung von Eiweiß sorgt (Blut, Körperflüssigkeiten). Da Wolle ebenfalls aus Eiweiß besteht, würden sie diese aufrauen. Daneben sind Wollwaschmittel frei von Aufhellern und haben einen niedrigen ph-Wert. Und nicht zuletzt enthalten sie das natürliche Wollfett Lanolin, das für Weichheit und Geschmeidigkeit der Fasern sorgt. Auf gar keinen Fall sollte man übrigens Haarshampoo verwenden – dieses macht die Wolle rau und stumpf. Ebenso sind Fein- , Color- und Vollwaschmittel absolut tabu. Genauso wie Weichspüler! Meine Schwiegermutter hat zum Beispiel alle ihre gestrickten Socken mit Shampoo gewaschen – ich habe, als ich das gesehen habe, fast ein bisschen weinen müssen, denn sie sahen nicht mehr wirklich schön aus.

Wolle trocknen und lagern: Sehr nasse Strickstücke sollte man niemals auswringen. Man legt sie besser auf ein großes, dickes Frotteehandtuch, rollt das Handtuch ein und drückt es dann an allen Stellen ein wenig zusammen, damit es einen Großteil der Feuchtigkeit schon mal aufnehmen kann. Danach trocknet man das Strickstück liegend auf einem zweiten, trockenen Handtuch am besten auf einem Wäscheständer liegend. So kann von oben, aber auch von unten Luft ran. Darauf achten, dass dabei nichts über das Handtuch herüber nach unten hängt. Denn nasse Stricksachen dehnen sich durch das Gewicht sehr stark und behalten dann nach dem Trocknen diese Form. Entsprechend sollte man gut darauf achten, dass das Strickstück von Anfang in auch in der richtigen Form liegt. Falls es nicht auf den Wäscheständer passen sollte, eventuell doppelt legen – aber ein zweites Handtuch dazwischen legen.

Den Ständer sollte man nicht in die pralle Sonne stellen, aber auch nicht vor die Heizung – Wolle wird am schönsten und bleibt weich, wenn sie sanft trocknen kann. Das kann auch mal zwei, drei Tage dauern, also bitte Geduld haben. Eventuell einfach auch mal noch das Handtuch wechseln, dann geht es etwas schneller.

Und was ist über das Lagern und Aufbewahren zu sagen? Gestricktes und Gehäkeltes kann sich durch das Eigengewicht wie schon erwähnt verziehen und dadurch die Form verlieren. Also nicht auf den Bügel hängen! Bei höherer Luftfeuchtigkeit saugt Wolle nämlich auch diese Feuchtigkeit auf und wird dadurch schwerer. Wenn man sie hängt, dehnen sich die Fasern und bleiben nach dem Trocknen in dieser Form. Am besten lagert man fertige Teile daher liegend – selbstverständlich an einem trockenen Ort ohne Sonneneinstrahlung. Um Wolle vor Schädlingen zu schützen, sollte man außerdem vorbeugend Schutzmaßnahmen vor allem gegen Kleidermotten vornehmen – dafür gibt es im Handel zahlreiche Produkte auf biologischer Basis. Lavendelsäcke tun es aber auch.

Das waren meine Tipps und Tricks in Sachen Wollpflege. Habt Ihr dazu vielleicht noch weitere Gedanken und Ideen? Wie pflegt Ihr Eure Stricksachen? Schreibt mir einfach, ich freue mich auf Eure Kommentare.

 

Wenn Dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn mit anderen in Deinen Netzwerken:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.