Neues aus dem Maschinenraum
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Warum Gemacht mit Liebe nur einmal pro Woche für Kunden öffnet

Freitagnachmittag, eben war die zweite DHL-Paketabholung für heute, ein bisschen für den morgigen Ladentag habe ich auch schon vorbereitet und während es draußen anfängt, schon ein klein wenig zu dämmern, habe ich hier im Häkelbüro meine neuen Lichterketten angemacht, mir einen Kaffee gekocht und mich nochmal an den Rechner gesetzt. Ich mag die Freitagnachmittag hier immer besonders gerne, wenn der Versand für diese Woche abgeschlossen ist und ich anfangen kann, ein wenig aufzuräumen und für den Ladensamstag schön zu machen. Unter der Woche sieht es hier oft etwas wild aus – kein Wunder, ich bekomme unter der Woche fast jeden Tag Wolllieferungen, die versorgt werden müssen, während gleichzeitig der Versand abgewickelt werden muss, damit Ihr ganz schnell daheim Eure Bestellungen habt. Und so liegen hier immer ziemlich viele leere Kartons, viele Stapel gepackte Pakete, Wollknäule und Boxen herum… für Außenstehende das Chaos pur, aber ich habe zum Glück immer noch den Überblick und kann fast in jedem Moment ohne Luft zu holen sagen, welches meiner Wollknäule gerade wo liegt. Wirklich!

Die Termine für die Ladentage im November und Dezember stehen, es sind ziemlich viele – drei im November, alle Samstage im Dezember einschliesslich der Samstag vor Neujahr. Und einen verkaufsoffenen Sonntag gibt es sogar auch noch! Ich freue mich auf die Tage, ich mag das, wenn hier Kunden im Laden sind. Sehr gerne würde ich ja auch unter der Woche öffnen, der Bedarf dazu ist auch da, täglich klopfen Leute an die Türe und wollen an die Wolle. Leider ist das für mich aber nicht zu schaffen. Wir haben gerade in den letzten Tagen wirklich nochmal hin und her überlegt, ob nicht doch irgendwie mehr Ladentage zu stemmen wären. Aber: Das geht leider nicht. Und warum, will ich Euch gerne erklären.

Viele wissen glaube ich auch gar nicht mehr, dass Gemacht mit Liebe eigentlich in den ersten Jahren zuerst ein reines privates Blog zum Thema Stricken und Häkeln war. 2012 fing ich an, hier zu bloggen, später, 2015, kam der Onlineshop dazu und aus dem Blog wurde ein Unternehmen. Zuerst arbeitete ich von daheim aus, später hatte ich ein Büro in der Innenstadt. Da gefiel es mir aber nicht so besonders gut, ich brauchte außerdem mehr Platz und eigentlich hatte ich mir schon seit Jahren gewünscht, ein Ladenlokal zu haben. Nicht für einen Laden, sondern als Büro, denn vor Gemacht mit Liebe war ich schon viele Jahre selbständig als Texterin und Redakteurin. Bekannte von mir in Konstanz hatten das so gemacht und ich fand das immer so großartig. Als ich nach Köln umgezogen war, suchte ich immer mal wieder nach einem Ladenlokal, ohne aber Passendes zu finden. Dann gab es auf einmal die Möglichkeit, hier das Ladenlokal in der Luxemburger Straße zu mieten und Stefan und ich griffen sofort zu. In fünf Minuten bin ich mit dem Rad daheim, man ist mitten im Leben, es gibt Platz und die Räume gefielen mir sofort: Platz für das Wolllager, mein Büro und aber auch, um endlich Kurse und Stricktreffen veranstalten zu können.

Letztes Jahr zog ich also ein. Es gab endlich die Kurse, es gab Stricktreffen, der Onlinesversand lief. Und weil ich es gerne schön mag, richtete ich es mir hier auch nett ein. Gemütlich sollte es sein, denn ich bin immer hier. Ich hängte Bilder auf, kaufte ein Sofa hin, legte Kissen darauf, besorgte schöne Möbel und stellte eine Vase mit Blumen auf den Tisch. Ladenbetrieb anzubieten, das war allerdings überhaupt nicht geplant. Ich fand das auch sehr abwegig – fremde Leute, hier in meinem Büro?? Nie im Leben! Nun, es kam anders. Ein “echter” Wollladen in meinem Viertel schloss, ein anderer in den Stadt auch noch – und so richtig viele Wollgeschäfte in Köln gab es ja sowieso nie. Als es Herbst wurde und die Woll-Saison anfing, standen auf eimal immer öfter Leute am Fenster und drückten sich die Nase platt. Andere kamen sogar gleich rein – ohne anzuklopfen und ich fand das richtig übergriffig. Und als dann die Stricktreffen und Kurse stattfanden, wurde es immer schwieriger, Leute wegzuschickenn, denn sie sagten: “Wieso, da sind ja auch andere drin!”. Und wir entschlossen also, es einfach mal zu probieren mit dem Ladenbetrieb. Wenn die Leute rein wollen, dann sollen sie halt kommen. So starteten die Ladentage. Und ich fand sie super: Einen Onlineshop zu haben, in dem Leute einfach mal reinschauen können – wo gibt es denn so etwas? Und ist das nicht überhaupt die Zukunft, dass der stationäre Handel und der Onlinehandel zusammenwachsen? Und überhaupt, Wolle, die muss man doch auch mal bei Tageslicht sehen und anfassen können.

Eine Zeitlang hatt ich sogar zwei oder drei Mal pro Woche auf, aber das wurde zuviel. Nicht wegen des Betriebs, sondern aus einem anderem guten Grund: Das Häkelbüro ist ja eigentlich mein Lager, in dem ich die Wolle für meinen Onlineshop lagere. Und weil so ein Onlineshop nun mal nie Pause hat, müssen jeden Tag viele Pakete verpackt und verschickt werden. Lasse ich parallel nun aber Kunden ins Häkelbüro, die hier auch einkaufen, schaffe ich nicht nur den Onlineversand nicht mehr, sondern laufe vor allem Gefahr, Sachen doppelt zu verkaufen. Da ich viele Nischengarne habe, kann ich diese nun aber nicht immer sofort nachbestellen. Die Garne von Manos del Uruguay, Karen Noe, Erika Knight oder BC gibt´s halt nicht immer in unbegrenzten Mengen, die sofort lieferbar sind, manchmal muss man bei bestimmten Farben auch mal Wochen oder gar Monate warten. Oder meine eigenen Handfärbungen – die gibt es ganz oft nur ein einziges Mal. Und selbst wenn ich es nachbestellen kann: Ich als Onlineshop-Kunde würde mich schön bedanken, wenn die Frau vom Häkelbüro mir schreibt, dass die Lieferung nochmal drei oder vier Tage länger dauert, weil ein Ladenkunde die Wolle mittlerweile leider weggekauft hat und erst nachbestellt werden muss.Das geht also so nicht – der Onlineshop hat nun mal Vorrang, denn das ist mein Hauptgeschäft. So wird es auch immer bleiben, denn einen reinen Wollladen eröffnen, das würde ich heutzutage niemandem empfehlen.

Und so gibt es mittlerweile den Ladensamstag – drei bis vier Mal pro Monat ist hier offen, mehr aber nicht. Aber an den Samstagen hae ich Zeit und den kann ich auch vor allem vorbereiten: Es wird aufgeräumt und ein bisschen geputzt, die neuen Sachen aus dem Shop werden extra präsentiert und nicht zuletzt: ich habe Zeit und bin auch etwas entspannter als unter der wirklich hektischen Woche, um alle zu meinem Angebot beraten zu können. Bevor es morgens losgeht, sause ich noch immer eine Stunde durch die Regale und fische alle online bestellten Knäule heraus – das mache ich auch während des Betriebs. Einige von Euch konnten das sicher schon beobachten, wie ich zwischendurch aus meinem Stuhl schieße und mir aus irgendeinem Regal etwas schnappe und hinten im Lager verstecke…   Und kauft einer der Ladenkunden ein, wird das ordenltich im Onlineshop als Verkauf verbucht – der Warenbestand muss ja schliesslich stimmen.

Ich weiß, dass manche Kunden das nicht so richtig nachvollziehen können, wenn sie unter der Woche draußen vorbeilaufen und mich hier an meinem Schreibtisch sitzen sehen und nicht rein dürfen. Selbst, wenn ich “nur” am Rechner sitze und gerade nichts verpacke: In so einem Onlineshop muss immer viel gemacht werden. Wareneingänge verbuchen, Wollbestellungen aufgeben, Buchhaltung machen, neue Produkte anlegen oder alte aktualisieren, Social Media, Anleitungen schreiben – das ist mein Alltag. Den Versand selber mache ich meistens morgens. Und selbst jetzt, wo ich großartige Unterstützung von meiner neuen Mitarbeiterin Barbara und auch immer wieder von meinem wunderbaren Mann habe: Selten gibt es hier Momente, also eigentlich fast nie, in denen ich sagen kann: Jetzt ist mal alles auf dem Stand der Dinge, ich habe nix zu tun. Viele Besucher muss ich daher unter der Woche wegschicken und mir fällt das ehrlichgesagt auch nicht immer leicht. Wenn man draußen vorm Häkelbüro steht, sieht es hier halt nun mal auch aus wie in einem echten Wollladen. Also wie in einem wirklich richtig schönen Wollladen – dass das ein Onlineshop sein soll und Kunden unter der Woche nicht so wirklich rein dürfen, ist sicher nicht immer so wirklich verständlich. Ich würde da ja auch rein wollen. Aber ich kann mich halt leider einfach nicht zweiteilen und der Onlineshop geht vor. Und ich kann es auch nicht jedem Recht machen.

Was mich manchmal traurig finde: Es gibt immer mal wieder Leute, die dann, wenn man ihnen erklärt, das sie jetzt leider nicht reinkönnen, um eine halbe Studne im Sortiment rumzugucken, richtig sauer und manchmal sogar pampig werden. Oder auch, wenn ich erkläre, dass ich nicht zu woanders gekauften Garnen und Anleitungen, die nicht von mir stammen, berate. Das gab es diese Woche zwei Mal und hat mich einigermaßen ratlos, um nicht zu sagen: wirklich sehr betroffen zurück gelassen. So ein Ton, das bin ich nicht gewohnt. Und eigentlich ist das mit meinen Öffnungszeiten und das, was Gemacht mit Liebe ist, überall klar kommuniziert: Auf der Website und überall anderswo im Netz auch. An meinem Schaufenster hängen dazu zwei große Zettel, dazu steht da “Onlineshop” riesig auf dem Schaufenster uuuuund ich habe auch ein Schild, auf dem “geschlossen” steht, wenn geschlossen ist (Oder halt “offen” an den Samstagen). Und abgeschlossen ist auch immer. Aber da gibt es dann trotzdem auch mal Leute, die an die Tür bollern, so lange, bis man aufschliesst, allein schon, damit die Scheiben nicht zerbrechen. Natürlich schicke ich Leute, die nur schnell eine Stricknadel oder ein Nachschubknäuel brauchen, mittags nicht weg (HALT; STOP: Also wenn der Versand für diesen Tag fertig ist! Morgens oder bis ca. 15 Uhr: keine Chance, da ist hier mega Hektik!). Aber das auch nur in Ausnahmefällen. Sich hier nachmittags unter der Woche gemütlich umgucken, kramen und sich beraten lassen: Leider nein. Dafür ist der Samstag da.

So auch morgen! Um 11 Uhr  geht´s los und ich freue mich ganz besonders, dass Stefan dieses Mal dabei ist. Der wird übrigens auch an den nächsten Samstagen öfter hier sein – yippieh!

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2 Kommentare

  1. Marion sagt

    Liebe Daniela, ist es nicht schrecklich, dass es immer wieder Menschen gibt, die einfach gewisse Regeln missachten und denken alles in unserer Welt dreht sich nur um sie? Du hast einen so wundervollen Laden und natürlich möchten viele Menschen ständig hier stöbern…Allerdings lesen genau diese Menschen doch auch Anleitungen….wieso dann nicht auch die Hinweise an der Ladentür? Was verstehen diese Menschen nicht an dem Wort „geschlossen „? Du bist so ein wundervoller Mensch und du wirst um jeden Kunden traurig sein, den du weg schickst. Das ist das traurige an dieser Geschichte. Die Menschen, die deine Regeln missachten, diese Menschen gehen wütend ihren Weg und hetzen im schlimmsten Fall noch, aber du bleibst mit einem schlechten Gewissen zurück. Du machst so viel für uns Kunden und dafür ein fettes Dankeschön Auch du kannst nur auf einer Hochzeit tanzen und entweder diese Menschen akzeptieren dass, oder sie müssen sich einen anderen Shop suchen. Allerdings entgeht ihnen dann eine wundervolle Shopbesitzerin, die mit viel Liebe und Herzblut wundervolle Wolle verkauft. Du machst deinen Job hervorragend, bleib auf deinem Weg und lasse dir nicht von selbstsüchtigen Menschen ein schlechtes Gewissen machen. Liebe Grüße Marion

  2. Marion sagt

    Hallo Daniela, ein dickes Dankeschön für den kleinen Einblick in den Alltag eines Onlineshops, der zugleich versucht, seine Tore zu öffnen! Zwar wohne ich in Berlin, aber wärest du hier, würde ich garantiert auch zu denen gehören, die sich die Nase platt drücken und versuchen, reinzukommen. Allerdings würde ich auch zu denen gehören, die verstehen, dass eben nur bestimmte Tage für den Vorort-Einkauf reserviert sind. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was denn so schwer daran ist, dann halt an einem Ladensamstag nochmal wiederzukommen und beim nächsten Mal dann aber auch schon Bescheid dazu zu wissen? Naja, einen ruppigen Ton gibt es leider nicht nur manchmal im Netz, sondern leider auch in der realen Welt…LG und mach weiter so!

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