Köln
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7 Fragen an Gudrun Velten vom Kölner Veedelsblog

Manchmal kann man gar nicht anders und muss eine einzige Sache unbedingt machen, egal, ob die Idee völlig bekloppt ist, sie viel Zeit und manchmal auch Nerven kostet. Ganz oft entstehen aber genau so die großartigsten Projekte und Dinge – einfach deswegen, weil sie mit viel Liebe und Herzblut gemacht werden. In der Serie “Leute machen Sachen” stelle ich verschiedene Leute vor, die genau solche Sachen machen.

Nach einer kleinen Pause geht es ab sofort wieder mit der Serie “Leute machen Sachen” weiter, hurra! Den Anfang mache ich mit Gudrun, die das erfolgreiche Kölner Stadtteilblog Suelz-Koeln.de betreibt. Gudrun habe ich vor ungefähr vier Jahren über Twitter kennengelernt, als ich noch in Konstanz  lebte und gerade meinen Mann, einen Sülzer, kennengelernt hatte. Ich möchte fast sagen, sie war dann auch diejenige, die sich am meisten darüber freute, als wir eine Wohnung in Sülz gefunden hatten. Seitdem war ich diverse Male bei ihr zum Kaffee und Gudrun kocht mit ihrer Maschine den wohl stärksten und heißesten Kaffee der Stadt. Unser Kontakt ist aber nicht nur privat, sondern auch ein bisschen beruflich, denn ab und an schreibe ich für das Blog. Und das mache ich auch gerne, denn ich kenne fast keines, das mit so viel konsequentem Engagement und Einsatz geführt wird wie Suelz-Koeln.de und mich beeindruckt das immer wieder. Für mein Stadtteil, oder besser: “Veedel”, Sülz ein Glücksfall, denn es sind eben Leute wie Gudrun, die so ein Veedel prägen und alles ein bisschen zusammenhalten. Hier das Interview – viel Spaß beim Lesen:

Bitte stell Dich kurz vor:
Gudrun: “Alt, ledig, blond (eigentlich längst grau). Okay, ich heiße Gudrun Velten, bin eine von gut sieben Milliarden Weltbürgern, eindeutig deutsch-europäisch geprägt. Mein Weltbild ist beeinflusst von einem ganzen Stapel Weltliteratur und das gemischt mit einem Volkswirtschaftsstudium. Ich bemühe mich, wahrhaftig zu sein und selbst zu denken. Meine Therapeutin sagt, dass es mir scheißegal sei, was die Leute von mir denken.”

Was ist Dein Projekt und wie funktioniert es?
Gudrun: “Ich sammle Informationen über den Doppelstadtteil Köln Sülz-Klettenberg, in dem ich lebe und veröffentliche diese in dem hyperlokalen Blog www.suelz-koeln.de. Begonnen hat das vor gut acht Jahren. Da bin ich zunächst hier mit dem Fotoapparat spazieren gegangen und habe die Fotos in einer Fotogalerie veröffentlicht mit der Reaktion, dass viele mir sagten, dass sie gar nicht gewusst hätten, wie schön Sülz-Klettenberg ist und was es hier so alles zu sehen gibt. “Ich hab viele Jahre einmal die Woche die Tür vom Jugendzentrum aufgeschlossen und erst in der Fotogalerie bemerkt, dass da in der Wand ein Zwangsarbeiterdenkmal eingelassen war”, so eine Besucherin der Fotogalerie. Ja und ich selbst entdeckte solcherlei sowie diverse Details ja auch erst bei den Spaziergängen und teilweise gar erst, wenn ich die gemachten Fotos später betrachtete. Ein gutes Jahr später kam der Stadtteilblog und zwar m.W. der erste dieser Art hinzu.

Wie das funktioniert? Je nu, ich schaue nahezu täglich fast überall, was es Neues und z.T. auch altes zu berichten gibt. Ich besuche Veranstaltungen im Veedel und berichte darüber, ich interviewe zuweilen interessante Personen, die hier leben, liste Veranstaltungen auf, schaue, was unsere lokalen Politiker so treiben sowie Organisationen verschiedenster Art. “Seit ich suelz-koeln.de abonniert habe, fühle ich mich bestens informiert”, so gar einer unserer Lokalpolitiker vor einer Weile. Zwischenzeitlich erhalte ich auch viele E-Mails aus dem Leserkreis, die mich auf Berichtenswertes aufmerksam machen. Ich schaffe es kaum noch, das alles zu berücksichtigen und entscheide da zuweilen einfach ad hoc wie es in das Zeitkontingent, dass ich dafür erübrigen kann hineinpasst.

Wie viel Zeit und Liebe investierst Du in Dein Projekt? Was hast Du alles machen müssen, um es zum Laufen zu bringen?
Gudrun: “Durchschnittlich gehen dabei um die 40 Stunden im Monat dabei drauf und also rund 25 % einer Vollzeittätigkeit, die ich allerdings zusätzlich neben meinem Job aufbringe. Die Liebe ist zu 100 % mit dabei. Und eigentlich musste ich lediglich dranbleiben. Werbung für die Seite habe ich nie gemacht, wenn man von einer Ansichtskarte, die ich anfänglich einmal erstellte und verteilte, einmal absieht. Immer mehr Menschen haben Internet und es sprach sich mit der Zeit einfach herum und immer mehr Menschen besuchen suelz-koeln.de oder haben die Seite gar via Feed Reader oder E-Mail abonniert. Im Juni überschritten die Besucherzahlen erstmalig die 60.000er Grenze und das bei fast 400.000 PageImpressions.”

Warum machst Du das eigentlich?
Gudrun: “Mir macht es einfach Spaß zu entdecken, was um mich herum in allernächster Nähe so alles passiert und möchte darüber die Bürger im Veedel sowie auch solche, die früher mal hier lebten informieren. Es steckt natürlich auch der Vernetzungsgedanke dahinter. Nur wenn man weiß, was um einen herum so alles los ist, kann man sich mit einbringen oder einfach nur teilhaben.”

Was wünscht Du Dir für Dein Projekt?
Gudrun: “Ich wünsche mir noch mehr Leser, aber auch ehrenamtlich Mitwirkende sowie, dass die im Veedel gewerblich Tätigen die Seite verstärkt auch als Werbeplattform entdecken, so dass ich von den Einnahmen die Webseite ausbauen kann.”

Welche Trends kannst Du rund um Dein Projekt erkennen?
Gudrun: “Als ich 2005 hier mit dem Fotografieren im Stadtteil begann, machte das eigentlich sonst niemand. Zwischenzeitlich hat smartphonebedingt jeder einen Knipser fast immer dabei und es ist üblich geworden, sein Leben nicht nur zu Urlaubszeiten oder bei besonderen Feierlichkeiten zu dokumentieren. Auch die Bloggerszene hat sich stark erweitert, darunter auch viele hyperlokale Blogs.”

Welche drei Projekte/Blogs/Initiativen möchtest Du außerdem empfehlen und warum?
Gudrun. “Tut mir ja wirklich leid, aber nach all den Jahren kann ich unmöglich lediglich drei Projekte/Blogs/Initiaven empfehlen. Da gebe es eher hunderte und das würde niemand auf einmal lesen wollen. Einfach regelmäßig www.suelz-koeln.de lesen!”

 

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