Stricken
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Die Sache mit der Maschenprobe oder wie ich mal einen Handschuh stricken wollte

Irgendwann im Frühling meinte mein Mann, er habe Lust, mit mir zusammen ein Strickset zu entwickeln und er habe da auch schon so eine ganz bestimmte Idee. Dafür brauche er einen Handschuh und den solle ich doch bitte mal stricken, aber ohne Finger. Einen Handschuh – so schwer kann das ja nicht sein, dachte ich. Den habe ich ja in zwei Stunden locker fertig, denn im Grunde muss ich ja nur eine halbe Socke ohne Ferse stricken. Ich strickte eine Maschenprobe, guckte mir verschiedene Anleitungen und Techniken in Sachen Handschuhstricken an, schaute nach Garnen und…. legte das Projekt wieder weg. Handschuhe im Frühling stricken, wenn draußen überall die ersten Blumen blühen und alles grün wird – naja, nicht so prickelnd.

Im Sommer fragte der Mann, wie es denn mit dem Handschuh so laufe, ob ich da jetzt schon was habe. Ich so, ach ja, hm, noch nicht, aber geht ja ganz schnell, den habe ich in einem Tag fertig, kein Problem. Dann kam der Umzug ins Häkelbüro, danach war es wochenlang viel zu heiß zum Stricken, andere Projekte kamen und ich vergaß den ollen Handschuh.

Anfang September fragte der Mann wieder nach, wie es denn jetzt eigentlich um diesen Handschuh so stehe. Mittlerweile habe er seine Teile an dem Projekt längst fertig, daher brauche er jetzt echt mal einen Prototypen zum Ausprobieren. Ich schnappte mir also hektisch meine Wolle und häkelte diesen Prototypen. Einfach nach Gefühl ohne Anleitung, denn die Notizen zu den gestrickten Maschenproben hatte ich dummerweise wieder gelöscht und häkeln geht ja so viel einfacher. Ein langer Schlauch, an der Seite ein Loch für den Daumen, den Schlauch dann noch ein Stück weiter hoch und später noch rund um das Loch ein paar Runden für den Daumen. Nicht gerade schön, passte aber und war als Prototyp zum Basteln geeignet.

Der Mann probierte damit herum und meinte dann, der gehäkelte Handschuh sei ja schön und gut, aber gestrickt sei er doch noch viel schöner. Ob ich jetzt nicht doch mal noch einen STRICKEN könne? Hatte ich so irgendwie gar keine Lust drauf, denn in meinem Strickkorb lagen ja noch um die zehn andere angefangen Projekte, an denen ich gerade viel lieber weitermachen wollte. Der Mann rollte die Augen, seufzte und meinte: Daniela, STRICK JETZT SOFORT DIESEN HANDSCHUH. Also setzte ich mich zwei Wochen später hin und fing mit Version 2 an.

Bei Version 2 entschied ich mich für Nadelstärke 2,75 und 60 Maschen. Sah hübsch aus, nachdem ich aber das extralange Bündchen fertig hatte und mal probierte, war das Ding eindeutig zu groß und hatte aber auch kein so richtig schönes Strickbild – die Nadeln waren zu dünn. Also legte ich das Projekt erstmal wieder zur Seite, strickte am Laceschal weiter, machte ein Paar Socken fertig, häkelte ein paar Grannys und nadelte zwei verschiedene weitere Socken und ein neues Tuch an. Der Mann guckte ein paar Tage streng und legte mir dann letzten Sonntag stumm den angefangenen Handschuh hin. Also gut, dann mach ich das halt schnell, dachte ich, ribbelte das Ding wieder auf und fing nochmal von vorne an.

Version 3 bekam Nadelstärke 4 und 14 Maschen. Maschenprobe? Die schenkte ich mir. Der dritte Handschuh war so halb fertig, da dachte ich, ich probier das Ding mal an. Und war war? Zu groß war es. Viel zu groß. Und das, obwohl ich ja eher breitere Hände habe. Geschätzt lag ich ungefähr bei Handschuhgröße 9 – die 7 bis 7,5 wäre eigentlich richtig gewesen für mich. Also wieder aufribbeln und Version 4 annadeln.

Version 4: Nadelstärke 3 und 13 Maschen. Passte auch nicht, war wieder zu weit. Maschenprobe? Nöööö, ich doch nicht! Also wieder aufribbeln.

version-1

Version 5: Kurz vorm Daumen merkte ich, dass ich vergessen hatte, dass ich das Bündchen deutlich länger hätte stricken müssen – Extrawunsch vom Mann. Wieder aufribbeln. In die Wolle weinen.

Version 6: Nadelstärke 3 und 12 Maschen. Wieder zu weit, verdammt. Maschenprobe? Orr, Maschenprobe! Hör mir auf mit dieser Maschenprobe! Aufribbeln. Stumm und grimmig. Aber vorher noch das in die Ecke geworfene Strickzeug wieder zusammenklauben.

Version 7: Nadelstärke 3 und 10 Maschen. Zu eng für mich am Handgelenk nach dem Bündchen. Maschenprobe? Ach was, jetzt lohnt sich das eh nicht mehr. Wieder aufribbeln. Ich zieh das jetzt durch!

Version 8: Nadelstärke 3 und 11 Maschen. Passt nach dem Bündchen. Ich stricke also hoch bis zum Daumen, mache ich die Daumenzunahmen und stricke den Rest. Stelle dann fest, dass ich in der Reihe vor den Zunahmen mal wieder zu locker gestrickt habe und daher nun zwei große Löcher da sind, wo sie nicht sein sollten. Alles wieder bis unter den Daumen aufribbeln.

Version Achteinhalb: Der Daumen passt. So irgendwie. Nochmal aufribbeln. Los jetzt, Endspurt, das Ziel naht!

Version Achtdreiviertel: Der Daumen sitzt jetzt. Schnell noch den Rest, jetzt bloss nix mehr falsch machen… und: Tadaaa! Hurra! Yippiieeeh!!!

Der rechte Handschuh ist jetzt also ertig und außerdem wirklich sehr schön geworden. Und morgen stricke ich den zweiten. In der Mittagspause habe ich nämlich noch ein, zwei Stündchen Zeit dafür, ist ja schnell gestrickt, so ein Handschuh!

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6 Kommentare

  1. Annerose Simon-Petry sagt

    Herrlich ich habe hier Tränen gelacht… bin schon auf die Idee deines Mannes gespannt und ob der zweite Handschuh dem anderen gleicht ;-)

  2. Nicht verzagen: Handschuhe werden sowieso überschätzt… Wer braucht denn schon Handschuhe – im September!?
    Liebe Grüße,
    Marjan
    P.S.: Bin doch froh, dass mein Mann keine zusätzlichen Häkelideen mit in den Häkelkorb wirft… Ist ja sowieso zu klein, der Korb!

  3. Handschuhe! Ein Graus! Nie passt es richtig, immer ist irgendwas, jeder hat unterschiedliche Hände… Ich habe Riesenpranken, da kann ich doch eine Freundin mit zierlichen Händen keine Handschuhe stricken ohne alle 5 Minuten anprobieren zu wollen. Ich stricke lieber Socken, das ist sicheres Terrain :-)

  4. Liebe Daniela,

    im Grunde hast du doch ganz viele Maschenproben gestrickt ;)

    Bin gespannt auf Euer Projekt und was der Mann damit zu tun hat ;)

    Herzlichst Bine

  5. knightlyart sagt

    Hahahaha, das kenne ich nur zu gut und jedesmal tapse ich wieder in die Falle!
    Ja, Maschenproben sind fürchterlich!
    Liebe Grüße,
    Kirsten

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