Männerwolle
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Männerwolle, Episode 3: Pakete verZENden

Was die meisten nicht über Daniela und mich wissen: Wir besitzen beide keinen Führerschein und zwar schon unser ganzes Leben lang. Damit kommen wir soweit ganz gut klar. Wir müssen unsere Urlaube etwas anders planen als der Teil der Bevölkerung, der das unter Einbeziehung der eigenhändigen Steuerung eines PKWs macht. Wenn man genau darüber nachdenkt, ist das Fahren eines Autos in Deutschland ja eigentlich grundsätzlich verboten, es sei denn man hat eine Sondererlaubnis, also eine Fahrerlaubnis.

Wenn man einen Online-Shop betreibt, kann diese fehlende Erlaubnis allerdings manchmal hinderlich sein. Möbel kann man sich liefern lassen oder sich bei Ikea einfach ein Lastentaxi ordern. Das haben wir sowohl privat wie für den Shop schon ein paar mal durchexerziert und es funktionierte sehr gut. Auf die gleiche Weise haben wir das gesamte Inventar des Shops einmal von Köln Sülz in das Büro am Dom und dann später von dort in das Ladenlokal zurück nach Sülz transportiert. Wir haben aber einen Horror davor, dass eine umfangreichere Bestellung beim Großhändler einmal zu einer ungünstigen Zeit an die Adresse des Ladenlokals geliefert wird und sie dort niemand von uns und auch kein Nachbarbüro entgegennehmen kann. Ein Paket mit 25 Kilogramm Kampfgewicht bei einem DHL-Shop oder einem DPD-Depot abholen zu müssen, ist für uns ein logistischer Alptraum. Gottseidank betreiben wir keinen Versand für Hanteln und Fitnessgewichte. Da würden auch kleinere Bestellungen schon zu solchen Alpträumen führen. Schöner Zungenbrecher übrigens: „Hantelhändler handeln mit Hanteln.“ Sagt das mal mehrfach schnell hintereinander.

Das Packen von Paketen mit harten und schweren Hanteln ist eher die Antithese zum Packen von Paketen mit weicher und leichter Wolle. Trotzdem hat das Verpacken von Wolle so seine Eigenheiten. Ich helfe ja ab und zu einmal in Shop aus, und dann ist es meist so, dass ich Bestellungen in Kartons verpacke und versandfertig mache. Der gesamte Prozess nennt sich „Picken und Packen“, also zuerst einmal die Artikel einer Bestellung aus den Regalen und Lagerboxen zusammensuchen – das macht meistens Daniela – und dann diese Artikel in einen passenden Karton mit Seidenpapier und Karte legen,  ein Schildchen draufkleben, den Karton zukleben und mit dem Versandetikett und einem Aufkleber versehen – das macht auch meistens Daniela oder eben eine Unterstützung. Wenn ich ab und zu mal im Shop helfe, übernehme ich  den Teil nach dem Raussuchen. Damit so etwas nicht langweilig wird, habe ich mir ein paar Wegpunkte zurechtgelegt, damit aus dem Packen fast schon eine Zen-Übung wird. Ich schaue mit die Artikel in der Pick-Box an und entscheide, welche Kartongröße für das Paket ideal ist. Aktuell haben wir acht verschiedene Kartongrößen, die sortiert und ungefaltet aufrecht in der Karton-Ecke stehen. Zen-Pluspunkte gibt es, wenn man den Karton innerhalb der paar Schritte von der Karton-Ecke zum Packtisch schon zusammengefaltet hat und fertig auf dem Tisch abstellen kann. Das klappt nicht immer, weil manche Kartons etwas widerspenstig sind und die Laschen nicht problemlos einschnappen. Übrigens muss sich jeder, der geschäftsmäßig verpackte Dinge versendet, laut Verpackungsgesetz ab dem 1. Januar 2019 im offiziellen Verpackungsregister angemeldet haben, sonst drohen Strafen und/oder Abmahnungen. Ob der Shop eures Vertrauens dort angemeldet ist, kann man hier prüfen: LUCID Verpackungsregister Ist er das nicht, kommt er nicht seiner gesetzlichen Pflicht zur Unterstützung des Verpackungsrecyclings nach.

Die nächsten Zen-Punkte gibt es, wenn sich das Seidenpapier mit einer flüssigen Bewegung aus seinem Stapel ziehen und in den Karton drapieren lässt. Dann erst stellt sich heraus, ob man die Größe des Kartons für die aktuelle Bestellung richtig eingeschätzt hat. Besonders befriedigend ist es hier, wenn die Bestellung exakt hineinpasst und am besten auch noch in einer besonders schönen Anordnung. Drei kleinere blaue Knäuel links, drei kleinere grüne Knäuel rechts und in der Mitte zwei handgefärbte Stränge.

Es ist ein seltsam angenehmes Gefühl, einen Karton besonders schön verpackt zu haben. Manchmal ist auch ein wenig Woll-Tetris notwendig, aber das hat wieder seinen ganz eigenen Reiz. Am besten ist es aber, wenn es auch noch eine „Schöne Bestellung“ ist, die dann schön verpackt wurde. Eine „Schöne Bestellung“ ist immer eine Kombination aus verschiedenen Farben und den 150 verschiedenen Garnen im Shop. Es lässt sich gar nicht so genau sagen, was es exakt ausmacht. Die Kombination bestimmter Farben oder die Kombination bestimmter Garn-Qualitäten miteinander. Aber bei manchen Bestellungen schauen Daniela und ich uns kurz an, nicken uns zu und einer von uns sagt „Schöne Bestellung“ und der ander „Ja, sehr schöne Bestellung“.

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6 Kommentare

  1. Sabine Frech sagt

    Freue mich schon auf den nächsten Blog.
    Toller Beitrag- da haben sich zwei gefunden

  2. Silke Müller sagt

    Super geschrieben und eure Päckchen sind wirklich toll und liebevoll verpackt.
    Liebe Grüße von Silke.

  3. KalkmannAnne sagt

    Wirklich ein schöner Blogbeitrag, bin nun gespannt auf meine erste, bald eintreffende Bestellung

  4. Anett Kaufmann sagt

    Er steht seiner Frau in nichts nach. Nun muss er nur noch stricken lernen.
    Vielen Dank für den schönen Blog-Beitrag.

    Habt alle ein schönes Wochenende.

  5. Elena sagt

    …es lässt sich gar nicht so genau sagen, was exakt einen richtig schönen Blogbeitrag ausmacht. Aber bei manchen Texten kann man nach dem Lesen nur sagen “schöner Blogbeitrag, richtig schöner Blogbeitrag” ;)

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