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Lace stricken für Anfänger: 10 praktische Tipps

Lace stricken für Anfänger

Es hat eine Weile gedauert, bis ich das Lacestricken für mich entdeckt habe – anfangs waren wir keine wirklichen Freunde. Mittlerweile habe ich den Dreh aber raus und mache es richtig gerne. Ich finde, vor allem im Somer ist Lacestricken mit feinen Garnen perfekt, denn es wird eben einfach nicht so warm an der Hand. Ein paar Tricks habe ich aber auch erst lernen müssen. Hier habe ich meine zehn wichtigsten für Euch zusammengestellt. Lace stricken für Anfänger – warum denn eigentlich nicht? Nur Mut!

1. Lace stricken für Anfänger – klar! Aber in ruhiger Umgebung.

Lace während des Fernsehens stricken und sich parallel noch unterhalten? Ich hab´s oft genug probiert und mich dabei wirklich jedes Mal übelst verstrickt. Neue Muster probiere ich daher prinzipiell nur dann aus, wenn ich ungestört bin – und in Gemeinschaft stricke ich an meinen Lacetüchern nur dann, wenn ich mir meiner Sache absolut sicher bin. Eine ganz simple Regel, die aber Wunder hilft, wenn man nicht so viel aufribbeln will…

2. Nadelspitzen immer mit Schlüssel oder Stecknadel ans Seil schrauben. IMMER!

Niemals meinen, es würde reichen, eine Nadelspitze ganz fest mit der Hand auf ein Seil aufzudrehen. Sie wird sich immer irgendwann wieder von alleine aufdrehen. Wirklich! Bestenfalls verfängt sich nur eine Schlinge in der Ritze, schlimmstenfalls löst sich die Nadelspitze unbemerkt ganz ab und man muss irgendwann entsetzt feststellen, dass viele, viele Maschen von der Nadel gerutscht sind – eine sehr ärgerliche Geschichte. Wer wie ich die kleinen Schlüssel immer verliert, nimmt einfach eine Stecknadel. Und ruhig ab und an mal nachstellen!

3. Keine allzulangen Nadelseile wählen

Nadelseile müssen nicht so lang wie das später fertige Strickwerk sein. Anfangs war ich der Meinung, möglichst lange Strickseile, auf denen man das Tuch in seiner kompletten Länge aufziehen kann, wären besser und habe mir entsprechend mit Nadeladaptern Verlängerungen an meine Nadelseile angebaut. Das sieht zwar eindrucksvoll aus, wenn man dann bei zwei Metern angelangt ist. Doch das macht das Stricken nicht einfacher, weil man nun ständig ein sich verdrehtes Nadelseil haben wird. Lasst das Seil lieber kurz – 1,20m reichen völlig aus, um ein 2 Meter langes Tuch zu stricken. Sind die Maschen aneinander gestaucht, kann man sie außerdem auch viel besser nach vorne zur Nadelspitze zum Abstricken schieben.

laceschal stricken

 

4. So viele Maschenmarkierer verwenden, wie nur geht

Ich fand es anfangs uncool, mir nach wirklich jedem Rapport einen Maschenmarkierer zu setzen und habe stattdessen lieber gezählt. Mittlerweile spare ich damit nicht mehr und setze sie durchgehend ein. Sieht zwar nicht so toll aus, dafür passieren nicht mehr so viele Fehler durchs Verzählen.

5. Mit geraden Schals üben

Gerade verlaufende Laceschals sind einfacher als dreieckige oder halbrunde Tücher zu stricken: Man strickt nur x mal den jeweiligen Rapport plus die entsprechenden Randmaschen in den Hinreihe, ohne dass dabei zugenommen werden muss. Die Reihen bleiben außerdem immer gleich kurz, während man aber nicht allzu viele Maschen auf den Nadeln hat – so bleibt das Strickwerk hübsch übersichtlich. Bei Dreieckstüchern oder halbrunden Tüchern können es nämlich schon mal 300 bis 400 Maschen werden. Passiert doch mal ein Fehler, ist die Reihe also relativ schnell rückwärts gestrickt. Vorher aber unbedingt eine Maschenprobe machen! Und daran denken, dass der Schal sich später in die Länge ziehen wird, also entsprechend ordentlich Breite einplanen. Hier im Shop gibt´s übrigens ein Strickset für den hübschen Laceschal LINDA – das Muster ist einfach und mit der schönen blauen Wolle passt er praktisch immer.

Strickset Laceschal Linda

6. Mit Sockenwolle anstatt mit Lacegarn stricken

Ich kam anfangs mit dünnem Lacegarn nicht zurecht – Lacegarn hat auf eine Menge von 100m eine Lauflänge ab 600m aufwärts, ist also sehr dünn. Sehr gute Ergebnisse erzielt man aber auch mit Sockenwolle oder Merinowolle ab 100g/420m, während es sich für Ungeübte leichter stricken lässt. Ich habe also erstmal nach Anleitungen mit dickerem Garn gesucht, bzw. mir eigene Muster wie im Punkt oben erzählt rausgesucht und dann mit Sockenwolle gestrickt. Sockenwolle ist allerdings etwas fester im Griff – das mag nicht jeder am Hals. Merino ist deutlich weicher, aber nicht ganz so einfach aufzuribbeln wie Sockengarn, unter Umständen pillt es außerdem. Für was auch immer Du Dich als Alternative entscheidest: Lass erstmal die Finger weg von Kid Mohair! Das sieht zwar toll aus, lässt sich aber eigentlich überhaupt nicht wieder aufribbeln. Das Muster unten habe ich zum Beispiel mit einer handgefärbten Sockenwolle angestrickt:

lacemuster stricken pfeilmuster

7. Strickanleitung vorab genau angucken

Jede Strickanleitung ist anders geschrieben – manche haben ausgeschriebene Texte, andere bestehen aus Charts und dann gibt´s dann noch so tolle Anleitungen wie diese hier oben im Bild von Susan Ashcroft. Bevor es los geht, also erst einmal gucken, ob man mit der Anleitung wirklich klar kommt und zum Beispiel englische Strickbegriffe übersetzen. Dabei daran denken, dass verschiedene Maschen bei uns oft ganz anders als im englischsprachigen Raum gestrickt und entsprechend auch anders beschrieben werden, obwohl das Ergebnis später genau gleich aussieht. Und: Die Anleitung bis zu Ende durchlesen. Immer!lace anleitung

8. Locker bleiben

Das A und O beim Lacestricken: Locker stricken, vor allem bei den Randmaschen! Lacetücher werden meistens noch gespannt, damit das Muster sich voll entfalten kann – zu ärgerlich, wenn es dann klemmt, weil die Randmaschen zu fest gestrickt wurden. Strick sie also immer etwas lockerer als normalerweise! Gleiches gilt beim Abketten!!

9. Maschen variieren

Die Zunahmen am Rand werden bei Lacetüchern je nach Strickdesigner anders gemacht. Martina Behm nimmt zum Beispiel meistens mit “kfb” zu – eine Masche wird dabei einmal erst von vorne und dann noch von hinten abgestrickt. Mairlynd dagegen nimmt dagegen oft Maschen zu, indem der Maschenbogen der Vorreihe einfach auf die Nadel gelegt und dann gestrickt wird. Man kann aber auch zum Beispiel einfach mit einem Umschlag eine Masche zunehmen. Verschiedene Zunahmen sehen später natürlich auch anders im Strickbild aus – so kann man die Anleitung am Rand ganz leicht variieren, bzw. mit seiner Lieblingszunahmeart stricken, ohne dabei aber das Grundmuster zu verändern.

10. Einen Lieblingsdesigner finden

Ein super Tipp für Anfänger: Bleibe erstmal bei einem Strickdesigner. Hast Du Dich durch eine erste Anleitung gearbeitet, verstehst Du nämlich die zweite oder dritte ganz schnell, denn oft sind weitere Anleitungen einfach Varianten. Außerdem muss man nicht immer neue Strickbegriffe lernen, sondern weiss sofort, was gemeint ist. Und die Anleitungen sind ganz ähnlich aufgebaut. Viele Designer bieten ihre Muster außerdem im Bundle an – wer drei kauft, bekommt sie günstiger als beim Einzelkauf. Die meisten Strickdesigner sind übrigens auch auf Ravelry oder Facebook vertreten und bieten dort Gruppen an, in denen man sich mit anderen austauschen kann. Sehr praktisch!

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19 Kommentare

  1. Danke für die Tipps, ich habe Sie spontan geteilt. Ich selber stricke lieber mit dickem Garn, aber könnte ich mich langfristig für das Thema erwärmen.

  2. Gaby sagt

    Hallo Daniela dein Post kam zur rechten Zeit. Ich habe den Zickzackschal angefangen zu stricken mit der Mille Colori Lace in der Farbe Wildrose. Ein super Garn habe mich die ersten Reihen schwer getan jetzt kann ich die Maschenfolge auswendigund es geht voran.

  3. Fronmüller Yvonne sagt

    Hallo Daniela,
    ich freue mich sehr über Deine Tipps ich stricke zwar schon Lacemuster aber dieser Beitrag macht es mir etwas leichter.

  4. Nur zu, es ist wirklich nur halb so wild. Du kannst ja erstmal auch ein Muster nehmen, das in jeder Reihe gleich bleibt, ohne dass sich etwas versetzt – so bekommt man anfangs ein ganz gutes Gefühl für so etwas. Ich habe mittlerweile auch ein Strickset im Shop für Laceanfänger – das ist ein Schal mit einem einfachen Rapport, der nur über sechs Maschen läuft. Super einfach und sieht nachher trotzdem richtig edel aus. Liebe Grüße!

  5. Wie der Zufall es will, habe ich vor einer knappen Stunde Bambus-Sockenwolle in tollen Grütönen gekauft, um damit endlich dieses Lacestricken anzugehen. Die Idee, erstmal ein gerades, breites Tuch anzugehen, statt sich gleich mit Dreick und Strickschrift zu überfordern, finde ich super. Genau an der Übersetzung (die mir nie gelang, irgendwie lesen sich Häkelschriften viel einfacher!) scheiterte es bisher nämlich immer. Mal sehen, ob ich mit deiner Hilfe nun doch noch endlich zu meinem ersten Lacetuch komme.

    • Hallo Elisabeth! Dankesehr! Ich hoffe, es hilft weiter – ich selber stricke auch noch nicht so arg lange Lace, aber wenn man ein bisschen Geduld mitbringt, ist das alles nur halb so wild.

  6. Gabi sagt

    Hallo Daniela,

    Deine Tipps sind wirklich sehr hilfreich. Ich kann das gut einschätzen, da ich bereits seit Jahren Spitzentischdecken stricke, was dem Lace sehr nahe kommt. Ich hätte allerdings noch einen weiteren Hinweis, der das lästige “Rückwärts stricken” bei Fehlern sehr vereinfacht: An markanten Abschnitten der Arbeit oder wann immer man möchte zieht man einen Sicherungsfaden in einer Kontrastfarbe nacheinander durch alle Maschen und markiert diese Reihe in der Strickschrift. Das hat mir schon des öfteren sehr geholfen, vor allem zu Beginn der Arbeit.

    Liebe Grüße aus Spremberg

    Gabi

  7. Ina Kempinski sagt

    das sind tolle Tipps…das gezeigte grüne Tuch sieht toll aus, aber ich finde nirgends eine Anleitung

  8. baerenwolle sagt

    Schöner Post und hilfreiche Tipps, vielen lieben Dank!

  9. Das mit der ruhigen Umgebung kann ich nur unterstreichen. Allerdings komme ich deshalb mit meinen Tüchern nie voran. Ich liebe meine Nadel mit langem Seil (1,50 m), die wird für alles benutzt, egal ob Tücher oder Pullis – aber so hat jeder seine Vorlieben.
    Auf jeden Fall waren deine Tipps sehr interessant.
    LG
    Ingrid

  10. Sarah sagt

    Hallo Daniela,

    das sind super Tipps :) Besonders das Festziehen der Nadeln werde ich beherzigen.

    Lieben Dank und viele Grüße
    Sarah

  11. Maria sagt

    Wie immer ein toller Über-/Einblick iins Thema. Danke Daniela! Habe mich auch lange vor Lace geziert. Deine Tipps nehmen Interessierten sicherlich die Angst und machen Lust auf mehr.

    • Dankesehr! Mein grünes Tuch nadel ich heute noch ab – und es war soooo einfach zu stricken, dass ich dabei einen riesen Spaß hatte. Und ich habe wirklich auch nicht allzu viele Lacetücher gestrickt in meinem Leben. Also nur ran an die Nadeln und einfach mal probieren, das ist gar kein allzu großes Hexenwerk.

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