Köln

Der Katchina Supper Club

Manchmal kann man gar nicht anders und muss eine einzige Sache unbedingt machen, egal, ob die Idee völlig bekloppt ist, sie viel Zeit und manchmal auch Nerven kostet, dafür aber kein Geld einbringt. Ganz oft entstehen aber genau so die großartigsten Projekte und Dinge – einfach deswegen, weil sie mit viel Liebe und Herzblut gemacht werden. In der Serie “Leute machen Sachen” stelle ich in Interviews verschiedene Leute vor, die genau solche Sachen machen.

Im Oktober war ich im Katchina Supper Club essen – ich hatte hier ja darüber berichtet. Supper Clubs wie der Katchina Supper Club schießen derzeit in den großen Städten wie Pilze aus dem Boden und so habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es so etwas auch in Köln Sülz gibt, wo ich ja wohne. Die Idee dahinter: Im privaten Rahmen werden bis zu 20 fremde Personen bekocht und bewirtet, wobei der Abend unter einem bestimmten Motto steht. Dabei verabredet man sich über das Internet, wo dann auch erst die geheime Adresse der Gastgeber bekanntgegeben wird und natürlich lernen sich auch die Gäste erst vor Ort untereinander kennen. In den USA und in Australien gibt es das schon länger, während der erste deutsche Supper Club vermutlich 2008 von Shane McMahon, einem Profikoch, gegründet wurde. Einer seiner Freunde hatte in den USA die Idee der Supper Clubs kennengelernt und ihm davon erzählt – und McMahon war sofort begeistert. Andere taten es ihm nach und gründeten weitere Supper Clubs und so gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine rege Szene. Auch hier funktioniert in der Regel alles anonym: Erst wenn man eine Zusage für einen Platz bekommen hat, erfährt man die Adresse der Gastgeber und dass man diese nicht bekannt gibt, auch nicht nach dem Essen, ist ein ungeschriebenes Gesetz. Irgendwo im Netz wurden Supper Clubs als “halblegale Underground-Restaurants” bezeichnet, in denen sich die “Kreativwirtschaft trifft”, das klingt subversiv und mächtig aufregend, aber der Artikel bezog sich auf Berlin und in Berlin muss alles ja immer irgendwie mit der Kreativwirtschaft zu tun haben oder aber ganz besonders cool sein. Als ich im Oktober bei Miss Katchina und Herrn Oger, die den Katchina Supper Club betreiben, zu Gast war, habe ich dagegen eine bunte Mischung verschiedenster Leute mit den verschiedensten Berufen in den verschiedensten Altersklassen kennengelernt. Und mit einem Abend im Restaurant hatte das alles bis auf das sehr hohe Kochniveau nichts zu tun, denn die Atmosphäre war familiär, während die Gastgeber mit am Tisch saßen und mit uns gemeinsam aßen. Ein Supperclub verfolgt außerdem kein kommerzielles Interesse – man gründet ihn, weil man Spaß daran hat, andere zu bekochen und zu bewirten und man geht hin, weil man gerne gut isst, sich mit Gleichgesinnten übers Kochen austauschen möchte und weil man sich gerne auf etwas Neues einlässt. Eine großartige Idee.

Im Interview erzählt nun Miss Katchina ein bisschen über ihren Supper Club. Und weil ja wie gesagt Anonymität wichtig ist, gibt es diesmal ausnahmsweise kein echtes Portraitfoto, sondern eines der beiden Kachinas, die bei Miss Katchina und Herrn Ober am Eßplatz stehen und nach denen der Supper Club benannt wurde. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo! Bitte stellt Euch kurz vor: Wer seid Ihr und was macht Ihr beruflich?

Miss Katchina: “Wir sind Miss Katchina und Herr Oger; beide Ende 40 und aus Köln-Sülz. Im richtigen Leben  macht Herr Oger „irgendwas mit IT“ und ich habe ein Übersetzungsbüro.”

Miss Katchina, bitte stelle uns den Katchina Supper Club vor und erklärt, wie das Projekt funktioniert.

Miss Katchina:”  Wir haben im August 2012 gemeinsam den „Katchina Supper Club“ ins Leben gerufen. Die Grundidee der Supper Clubs stammt vermutlich aus Kuba und hat sich von dort über die USA nach London verbreitet: In privaten Wohnungen treffen sich Leute, die gerne gut essen, zu Tafelrunden. Der Charme dieser Menü-Abende liegt darin, dass die Teilnehmer sich zwar untereinander nicht kennen, im Wohnzimmer des Gastgebers aber rasch ins Gespräch kommen. In dieser privaten Atmosphäre entstehen unterhaltsame Runden.”

Wie kamt Ihr auf die Idee, genau dieses Projekt zu machen? Gibt es eine Vorgeschichte?

Miss Katchina: “Die Idee entstand im letzten Urlaub in den USA, als wir feststellten, dass wir es nicht geschafft haben, einen Platz bei einem der anderen deutschen Supper Clubs, beispielsweise bei Rebelote in Düsseldorf zu ergattern. Dann haben wir uns eben überlegt, selbst so einen Club ins Leben zu rufen und uns die Gäste ins Haus zu holen.”

Was müsst Ihr tun, um das Projekt am Laufen zu halten?

Miss Katchina: “Es reicht, die Dinner-Abende, die etwa alle zwei Monate samstags stattfinden, auf unserer Facebookseite bekanntzugeben; erfahrungsgemäß ist die Runde binnen weniger Tage ausgebucht. Allerdings haben wir pro Abend auch nur acht Plätze zu vergeben, weil wir uns mit allen unseren Gästen beschäftigen wollen. Das würde in einer größeren Runde nicht funktionieren.”

Und wie viel Zeit und Liebe steckt Ihr in den Supper Club?

Miss Katchina: “Sehr viel! So ein Projekt kann nur mit viel Engagement und Liebe zur Sache funktionieren. Zum Geldverdienen gehen wir ja „nebenbei“ noch arbeiten.

Bei uns ist nach dem Dinner vor dem Dinner. Das heißt, sobald ein Abend vorbei ist, beginnen wir mit der Ideensuche für den nächsten Supper Club. Wenn das Motto steht, geht es an die Sichtung der Rezepte im Internet, in Kochbüchern oder im Erfahrungskästchen und an die Zusammenstellung der passende Weine. Nach der Rezeptauswahl wird das Menü zusammengeschrieben und veröffentlicht. Etwa eine Woche vor dem Dinner-Abend beginne ich mit dem Einkauf; die weiteren Vorbereitungen ziehen sich dann über die gesamte Woche hin. Freitag und Samstag bin ich ausschließlich mit Kochen beschäftigt, Herr Oger ist zuständig fürs Tische und Stühle aus dem Keller schleppen, Tisch decken usw. Am Abend selber bewirten wir die Gäste mit Amuse Bouche, Aperitif und mindestens vier Gängen. Danach gibt es noch Kaffee, und wer mag, bekommt auch einen Verdauungsschnaps. Wir servieren gemeinsam, und Herr Oger räumt ab und die Spülmaschine ein. Wir selber essen allerdings auch mit. Das ist wohl nicht bei allen Supper Clubs so, aber wir verstehen uns ja nicht als Restaurant, sondern möchten einen gemütlichen Abend unter Freunden, die wir noch nicht kennen, verbringen.”

Siehst Du in dem Bereich rund um Dein Projekt bestimmte Trends? Wohin geht der Weg?

Miss Katchina: “Supper Clubs sind immer mehr im Kommen; seit unserer Gründung im Sommer letzten Jahres sind alleine in der näheren Umgebung wie Düsseldorf oder Krefeld zahlreiche weitere entstanden. Ich denke, der Trend wird sich fortsetzen, hoffentlich schaffen wir es auch mal zu den Kollegen, die alle sehr vielversprechend klingen.”

Und habt Ihr weitere Pläne oder Ideen?

Miss Katchina: “Wir möchten immer wieder überraschen, deswegen ist es bei uns von Anfang an so, dass wir versuchen, den Gästen auch ausgefallene Sachen nahezubringen. Wie zum Beispiel bei unserem Cajun-Abend, bei dem wir die Küche der französischen Siedler aus Louisiana vorgestellt haben, oder bei unserem kommenden Dinner am 23. März, wo wir eine kulinarische Reise durch den Orient machen werden.”

Wie ist das Feedback Eurer Gäste?

Miss Katchina: “Bisher zum Glück nur positiv, wobei uns ganz viele Gäste sagen, dass sie sich selber so eine Arbeit für fremde Menschen nie machen würden.”

Und inwieweit „lohnt“ sich Dein Einsatz? Was springt dabei für Dich heraus?

Miss Katchina: “Nix, außer dem Kennenlernen von netten Menschen. Mit einigen unserer Gäste sind wir heute befreundet. Finanziell können wir froh sein, wenn die Kosten durch die Spende der Gäste, die so zwischen 25 und 35 Euro pro Nase liegt, gedeckt werden. Die vielen Arbeitsstunden kann uns eh keiner bezahlen, unser Lohn sind die zufriedenen Gesichter am Ende des Abends. Natürlich freuen wir uns auch immer, nach einem Dinner-Abend nettes Feedback auf unserer Facebookseite zu lesen.”

Wie macht Ihr den Katchina Supper Club bekannt?

Miss Katchina: “Vor allem über Facebook.”

Welche drei Projekte/Blogs/Initiativen möchtest Du außerdem empfehlen und warum?

Miss Katchina: “Den Blog von Anke Gröner, bei ihr sind wir nämlich das erste Mal über die Idee des Supper Clubs gestolpert. Dann die Veedelsseite suelz-koeln.de, die Gudrun Velten mit viel Idealismus betreibt.  Und schließlich “Chilli und Ciabatta”, seit Jahr und Tag mein Lieblings-Futter-Blog von Petra Holzapfel.”

Was Du außerdem noch sagen möchtest….

Miss Katchina: ” Wir danken unsere Gästen für die vielen schönen Abende – more to come!”

Vielen Dank für das Gespräch! Und hier findet man den Katchina Supper Club im Netz:

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