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Ein Wochenende in Brügge

Brügge

Und dann wollte ich natürlich noch kurz von unserem Kurztrip nach Brügge erzählen! Mein Mann und ich haben ja den Brauch, an unseren Geburtstagen möglichst immer unterwegs zu sein – im Sommer, wenn er Geburtstag hat, sind wir meistens irgendwo am Meer in den Ferien und dann im September, wenn ich Geburstag habe, machen wir fast jedes Jahr einen Städtetrip. So waren wir schon in Aachen, Ostende, Amsterdam – und eben dieses Jahr in Brügge.

Belgien ist ja praktisch nur einen Steinwurf von uns in Köln entfernt und man kann bequem mit der Bahn hinfahren – ideal für uns. Denn weil wir beide anstrengende Wochen hinter uns hatten, war uns wichtig, möglichst stressfreie und geruhsame Tage ohne viel Action zu haben und vor allem aber: Den Kopf mal wieder richtig frei zu bekommen. Und was soll ich sagen: Brügge war dazu absolut perfekt. Es war zwar völlig anders als ich es erwartet hatte, aber es war sehr schön und wir hatten eine richtig gute Zeit. Von all den Tipps, die wir vorab gesammelt hatten, haben wir praktisch gar nichts abgeklappert, aber so ist es bei uns immer: Wir lassen uns einfach treiben und gucken, was dabei raus kommt.

Die Unterkunft

Eine Unterkunft in Brügge zu finden, ist nicht schwer – die Stadt ist auf Touristen ausgerichtet und es gibt entsprechend eine riesige Anzahl an Unterkünften. Wir hatten uns dieses Mal gegen ein Hotel entschieden, weil diese immer so unpersönlich sind und stattdessen auf Bed and Breakfast gesetzt. Und dabei hatten wir ein riesiges Glück, denn wir haben wohl die freundlichsten und weltbesten Gastgeber der Welt erwischt, die man sich nur irgendwie vorstellen kann. Domus Brugensis hieß unsere Unterkunft – ein Privathaus ungefähr 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt in einem ruhigen Wohnviertel. Ein historisches Haus aus dem 17. Jahrhundert, absolut liebevoll und stilvoll von den beiden Gastgebern, Kathy und Dick restauriert und eingerichtet, die das Haus dann auch selber bewohnen. Gäste werden im Dachgeschoss untergebracht – eine mehr als großzügig geschnittene Etage mit hohen Decken, alten Holzböden und Holzbalken und einem unheimlich gemütlichem Flair. Wir haben uns sofort wie zuhause gefühlt und hatten eher das Gefühl, bei Freunden zu wohnen, so herzlich und unwahrscheinlich freundlich unsere Gastgeber waren. Gebucht hatten wir über Booking.com – dort findet man noch mehr Fotos als auf der Website und durchwegs positive Bewertungen. Absolut verdient. Weitere Highlights waren außerdem das wirklich mehr als großartige Frühstück, der schöne Blick in den kleinen Garten mit Teich und den benachbarten Park. Einziger Nachteil der Unterkunft: Die Toilette und das Bad sind eine Etage tiefer und man muss über eine recht steile und enge, knarzende Treppe herunterklettern. Die Gastgeber schlafen auf der gleichen Etage und so möchte man nachts natürlich niemanden gerne wecken, wenn man mal raus muss…. aber die beiden sehen das sehr entspannt. Eben wie Freunde, bei denen man übernachtet. Wer also mal eine Unterkunft in Brügge sucht: Das hier wäre mein ganz heißer Tipp dafür.

Die Sehenswürdigkeiten

Zu den Sehenwürdigkeiten der Stadt muss ich gar nicht viel erzählen, man kann sie googeln und es gibt eine Vielzahl an Büchern, in denen sie alle aufgelistet sind. Brügge ist eine wahnsinnig schöne Stadt mit vielen alten, schmucken Häusern, kleinen Gassen, spannenden historischen Denkmälern und wunderhübschen Kanälen und Brücken. An praktisch jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Und dann die vielen tollen Geschäfte! Wir haben allerdings weitestgehend darauf verzichtet, die klassische Touristentouren zu machen, nicht einmal die obligatorische Grachtenfahrt haben wir gemacht. Stattdessen sind wir einfach so losgezogen und haben uns treiben lassen.

An den ersten beiden Tagen, Montag und Dienstag, hatte es viel geregnet und so entschieden wir uns, viel mit dem Bus zu fahren – praktischerweise gibt es für 3 Euro pro Person ein Tagesticket, das man für alle Linien nutzen kann. Das Busnetz ist gut ausgebaut, wohl auch, weil es nicht gerade ideal ist, in der Innenstadt mit dem Auto zu fahren, denn die Gassen sind eng und es gibt nicht allzu viele Parkmöglichkeiten. Am Mittwoch mieteten wir uns dann Räder, genauergesagt: Pedelecs. Mein erstes Mal auf so einen Ding, denn ich fand die Teile bisher immer so unsportlich und daher war es mir zu peinlich, damit herumzufahren. Aber: Es macht wahnsinnig viel Spaß! Bis zu 25km werden die Teile schnell und die Unterstützung aus dem akkubetriebenen Mini-Motor gibt es auch nur, während man in die Pedale tritt. Perfekt, um kleinere Hügel hochzufahren, schnell an den Kreuzungen anzufahren und eigentlich immer, weil das Radeln wie fast von alleine geht. Ansonsten kann man aber in der Stadt  aber auch alles bequem fußläufig erreichen, Brügge ist ja nicht wirklich groß.

Sehr schön war es am Kanal – dort findet man mehrere Windmühlen auf kleinen Anhöhungen. Dazu gibt es viele Parks und eben unzählige kleine Gassen, in denen man überall hübsche Läden, Cafés und Restaurants oder einfach gemütliche Bänke findet – zu sehen gibt es jedenfalls mehr als genug. Unsere Gastgeber hatten uns übrigens den Tipp gegeben, die Jerusalemkirche anzugucken – da gibt es auch ein kleines Museum, außerdem findet man ein paar Straßen weiter das älteste Café der Stadt, nämlich das Cafe Vlissinghe – abseits der großen Touristenströme. Hat sich absolut gelohnt!

Essen und Trinken

Schokolade, Bier, Fritten und dazu die französisch orientierte Küche – wer in Brügge unterwegs ist, muss nicht darben, an praktisch jeder Ecke gibt es kulinarische Highlights zu erleben. In der Innenstadt liegt praktisch ein Schokoladen-Laden am nächsten und wir haben natürlich auch Schokolade und Pralinen mitgebracht. Herrlich. Noch viel besser aber fand ich die riesige Auswahl an belgischen Bieren. Ich bin ja eigentlich kein richtiger Biertrinker, aber in Brügge hat es mir einen riesigen Spaß gemacht, verschiedene Sorten zu probieren, denn da gibt es so viel zu entdecken! Für daheim haben wir uns daher den belgischen Bierführer mitgebracht, in dem über 1600 Biere vorgestellt werden, denn wir wollen uns hier auf jeden Fall durch die ein oder andere Sorte durchprobieren, es gibt ja einige gutsortierte Onlineshops.

Dazu waren wir großartig essen. Die belgische Küche orientiert sich sehr an Frankreich und ist entsprechend sehr abwechslungsreich, dabei aber bodenständiger. Ganz besonders toll gegessen haben wir in unserem Viertel im Nieuw Museum, wo es einen offenen Grill gibt – Rippchen, Steaks, Fisch und sogar Camenbert im Körbchen werden hier mit superviel Passion zubereitet und es war nicht nur eine Freude, dort zu essen, sondern auch dem Chef am Grill zuzugucken. Wir waren sogar zwei Mal da – am ersten Abend hatten wir ein Menu mit Bierbegleitung, am zweiten dann die Rippchen. Lecker! Und auch die Bierkarte kann sich absolut sehen lassen. Wer je in Brügge essen gehen will: Hingehen! Den Lachs mit dem roten Kerl, angerichtet auf Kartoffelpüree, gab´s in „De Nisse“, ebenfalls in unserem Viertel. Nett, aber ein bisschen langweilig.

Ausflug in die Bücherstadt Damme

Weil wir nicht so viel Lust auf die Touristenhorden in der Innenstadt hatten, setzten wir uns am Dienstag, nachdem wir am Marktplatz ein bisschen Sightseeing gemacht und eine heiße Schokolade in einem Café getrunken hatten, einfach in einen Bus und fuhren raus zum Bootsanleger am Damsekanal – dort kann man mit einem Schiffchen in die Nachbarstadt Damme fahren. Man fährt nur eine halbe Stunde entlang durchs Grün, vorbei an Kühen, Alleen und Wiesen, was sehr idyllisch ist, und dann ist man auch schon da.

Damme war überall als „die“ Bücherstadt beschrieben worden und so hatten wir irgendwie das Bild, wie wir uns den Tag über durch die Antiquariate wühlen würden, auf der Suche nach alten Koch-, Technik- und Handarbeitsbüchern. Leider war der Ort in dieser Hinein bisschen enttäuschend – alle acht Antiquariate in dem winzigen Städtchen hatten nämlich geschlossen und im ganzen Ort gibt es praktisch nichts außer Cafés und Bistros, einer Kirche und vielen alten Häusern. Dafür war es historisch umso interessanter. Damme ist ein ganz altes Städtchen, das im 11. Jahrhundert mit dem Meer verbunden und durch Handel reich geworden war. Als dann das Watt vor Damme immer mehr versandete, war damit aber bald Schluss, die Stadt verarmte und verlor sich in der Bedeutungslosigkeit. Es gibt eine Kirche, die Onze-Lieve-Vrouwkerk, die die Geschichte sehr eindrucksvoll nacherzählt.

Wir hatten dann aber doch noch ein offenes Antiquarit gefunden, wo der Mann zwei alte Jahreszeitschriften von einem Geschichtsverein, der auf Till Eulenspiegel spezialisiert war, gefunden hat. Eulenspiegel steht insofern in Bezug zu Damme, dass er in der „Légende d’Ulenspiegel“ von Charles de Coster, geschrieben im 19. Jahrhundert, in Damme gelebt haben soll, bevor er sich dann später auf seine Reisen aufmachte. Das ist dann auch der Grund, warum Damme sich zur „Bücherstadt“ entwickelte. Sehr schön sollen übrigens die regelmässig in der Stadt veranstalteten Büchermärkte sein – mal sehen, vielleicht schaffen wir es ja nochmal in die Stadt, wenn dann einer davon stattfindet.

 

Wolle, Wolle, Wolle

Eine Reise wäre natürlich nicht vollständig, wenn ich nicht auch noch in mindestens einem der hiesigen Wollläden vorbeigucken würde! Hier im Blog war mir ja von Leonore das Handwerkhuisje in der Katelijnestraat empfohlen worden und da sind wir dann am Mittwoch auch mit unseren Pedelecs hingesaust. In Sachen Garn gab es leider keine allzu große Auswahl, der Schwerpunkt liegt vor allem auf Sticken und Klöppeln, wofür Belgien ja berühmt ist. Wer darauf spezialisiert ist, wird bei der riesigen Auswahl an Material im Laden durchaus fündig werden.

Ich habe aber natürlich trotzdem auch etwas für mich gefunden und habe mir, ganz exotisch, ein Knäuel Sockenwolle von Schachenmayr für den Mann mitgenommen – sowas bekommt man bei uns in Deutschland ja nicht, hihi. Dazu kamen noch drei Knäuel „Victoria“, ein sehr schön gefärbtes, superdickes Dochtgarn, das sehr an Olympia von Lana Grossa erinnert. Daraus könnte eine schöne Mütze entstehen, mal gucken :) Außerdem musste ich noch unbedingt eine der hübschen Stickscheren mitnehmen, die dort überall angeboten wurden – mit einer aufwendigen Fassung und einer Kette, um sich die Schere um den Hals zu hängen, damit man sie immer griffbereit hat.

Brügge ist zwar traditionell auf Spitze spezialisiert, trotzdem aber gibt es interessante historische Bezüge zur Geschichte der Wolle. Die Jerusalemkirche, die ich vorhin erwähnt hatte, war im 15. Jahrhundert vom italienischen Kaufmann Anselm Adornes erbaut worden und seine Familie handelte unter anderem mit Alaun, das aus dem Mittelmeerraum importiert wurde.

Alaun

Alaun ist ein Mineral, das bei Färbeprozess von Textilien und Garnen benötigt wurde, denn es half dabei, dass die Farbe besser am Material haften blieb und dabei licht- und wasserfest wurde. Später half er dabei, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Schottland zu verbessern, dabei ging es unter anderem auch um den Handel mit Alaun – dringend benötigt unter anderem von den schottischen Tuchfärbern. Spannend, oder?

Zweieinhalb Tage waren eigentlich viel zu kurz, um alles anzusehen, was Brügge zu bieten hat, es gibt noch so viel mehr zu entdecken und ich hätte mir auch wirklich noch gerne viel, viel mehr angeschaut. Den Belfort zum Beispiel, das Groeningemuseum oder das berühmte Frittenmuseum. Wir waren auch nur in wenigen Geschäften (aber bei Hema!!!) und haben auch von der Liste mit Cafés und Restaurants, die ich vorab zusammengestellt hatte, wir so gut wie gar nichts besucht. Grund genug, bald wieder nach Brügge zu fahren – wir haben uns jedenfalls sehr wohlgefühlt und kommen gerne bald wieder!

Ich hoffe, ich habe mich in diesem Text nicht zu oft vertippt, ich bin sehr müde heute und ein bisschen unkonzentriert. Morgen gucke ich aber nochmal drüber und bessere nach :)

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5 Kommentare

  1. Jetzt hab ich Lust, Brügge auch kennenzulernen:-) vielen Dank für diesen tollen Reisebericht!

  2. Schöner Bericht aus einer schönen Stadt. Ich war im Sommer auf der Rückreise von der belgischen Küste für ein paar Stunden in Brügge – und ich werde sicher nochmals dorthin fahren. Da ich nur 25 km von der belgischen Grenze wohne, darf ich das Bier, die Fritten und die Schokolade häufiger mal testen und auch Läden wie z.B. HEMA besuchen.
    LG aus der Eifel
    Ingrid

  3. Hallo Daniela!
    Ich proste dir gerade mit einem belgischen Kriek zu. Das habe ich heute in Luxemburg gekauft (ganz schön international :)).
    LG
    Ingrid

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