Leute machen Sachen: Isabel Bogdan und ihr Buch “Sachen machen”

Manchmal kann man gar nicht anders und muss eine einzige Sache unbedingt machen, egal, ob die Idee völlig bekloppt ist, sie viel Zeit und auch Nerven kostet, dafür aber kein Geld einbringt. Ganz oft entstehen aber genau so die großartigsten Projekte und Dinge – einfach deswegen, weil sie mit viel Liebe und Herzblut gemacht werden. In dieser Rubrik möchte ich Leute vorstellen, die solche Sachen machen: Hier können sie über ihre Projekte vorstellen und erzählen, was sie antreibt. Nachdem bereits Wibke Ladwig von der Wortweide und Huck Haas von seinem Wiesbaden-Buch erzählt haben, ist diesmal Isabel Bogdan an der Reihe.

Isabel kenne ich bisher leider nur online über Twitter und Facebook. In diesem Jahr erschien ihr großartiges Buch “Sachen machen”, in dem sie 43mal verschiedene, völlig neue Dinge einfach mal ausprobiert und über ihre Erfahrungen mit viel Humor berichtet. Das Buch ist aber nicht einfach nur ein Testbericht, sondern vielmehr erzählt es einem etwas über das Leben und Lebensfreude. Am 11. Januar liest Isabel übrigens in Köln im Buchladen Neusser Straße und ich bin auf jeden Fall dabei.

Foto: Klaus Friese

Bitte stell Dich kurz vor – wer bist Du eigentlich und was machst Du beruflich?
Isabel Bodgan: “Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, und in einem Dorf in der Nähe aufgewachsen. Ich habe in Heidelberg Anglistik und Japanologie studiert und war zwischendurch ein Jahr in Tokyo. Nach dem Studium ein paar Jahre in Nordrhein-Westfalen, und heute lebe ich in Hamburg, weil es hier so schön ist, und bin Übersetzerin. Ich übersetze Literatur aus dem Englischen, neuerdings schreibe ich auch selbst. Unter anderem das Buch „Sachen machen“, das im Juli bei Rowohlt erschienen ist.”

Bitte stell das Projekt vor – was ist es, wie lange gibt es das, wie funktioniert es?
Isabel Bogdan: “„Sachen machen“ fing in meinem Blog an; mir fiel auf, dass ich schon ein paar Texte über verschiedene Sport- und Wellnessarten geschrieben hatte, und das Thema wollte ich gern ausbauen. So entstand die Rubrik „fit und well“. Und dann passierte im Herbst 2010 zweierlei: CulturMag, für die ich sowieso schon geschrieben hatte, fragte an, ob ich nicht eine Reihe daraus machten wolle. Und Rowohlt fragte an, ob ich nicht ein Buch schreiben wolle; die Lektorin las mein Blog schon länger und mochte meine Schreibe. Zu dritt erweiterten wir das Konzept von „fit und well“ auf „Sachen machen“, und so habe ich von Ende 2010 bis Ende 2011 lauter Sachen gemacht: komische Sportarten ausprobiert, Wellnessangebote getestet, auf einem Indoorspielplatz herumgetobt, im Dunkeln gegessen, beim Schweineschlachten zugeguckt, auf dem größten Heavy-Metal-Festivel der Welt in Wacken und auf einer SM-Orgie gewesen und so weiter.”

Wie viel Zeit und Liebe hast Du in das Projekt investiert? Was hast Du alles machen müssen, um es zum Laufen zu bringen?
Isabel Bogdan: “Ich habe eine Menge Zeit damit verbracht, Sachen zu machen. Das Wort „investiert“ klingt aber irgendwie falsch, ich hatte bei den allermeisten Sachen so viel Spaß, dass das ganze Projekt wirklich eine große Freude war. Niemand hat mir gesagt, welche „Sachen“ ich machen soll, ich konnte tun und lassen, was ich wollte, also habe ich fast nur Dinge gemacht, auf die ich Lust hatte. Die hätte ich natürlich auch alle machen können, ohne ein Buch darüber zu schreiben, aber Tatsache ist: ich hätte es nicht getan. Und so war es für mich das ganz große Glück des Jahres 2011, alle zwei Wochen einen Abgabetermin für CulturMag zu haben, der mich quasi zwang, tolle Sachen zu machen, von denen ich annahm, dass sie Spaß machen würden.”

Wie ist das Feedback? Kommt das investierte Engagement in irgendeiner Form zu Dir zurück?
Isabel Bogdan: “Das direkte, persönliche Feedback ist supertoll und kommt auch von ganz überraschenden Seiten. Was ich am häufigsten über das Buch höre, ist gleichzeitig das schönste Kompliment, das ich mir wünschen kann: dass die Leser Spaß haben und Lust bekommen, ebenfalls Sachen zu machen. Nicht unbedingt die gleichen wie ich, aber eben vom Sofa hochzukommen und Dinge zu unternehmen. Das finde ich total toll. Ganz viele Leute erzählen mir, dass sie das Buch schon mehrfach verschenkt haben, ich selbst verkaufe über mein Blog ganz gut – aber bei den Buchhändlern und bei Kunden, die nicht meine Blogleser sind, ist es offenbar noch nicht so richtig angekommen, jedenfalls sind die Verkaufszahlen insgesamt nicht gerade berauschend. Vorsichtig ausgedrückt.

Wie machst Du das Projekt bekannt?
Isabel Bogdan: “Über mein Blog, über Facebook, und ich habe die zauberhaftesten Lesezeichen der Welt machen lassen – man kann ein Rhönrad daraus basteln, das tatsächlich richtig rollt. Davon habe ich einige Stapel an Buchhandlungen verschickt, wo sie fast immer gut ankamen; manche dieser Buchhandlungen haben dann wieder Bilder davon auf ihre Facebookseiten gestellt, das hat mich sehr gefreut. Ich habe auch noch reichlich Lesezeichen da, wenn also noch jemand welche auslegen möchte, verschicke ich sie gern. Und wenn jemand ein signiertes Buch haben möchte, für sich oder zum Verschenken, das mache ich gerne. So geht’s. Zwei Lesezeichen gibt’s dazu, eins zum Basteln, eins als Lesezeichen.”

Was hast Du weiterhin geplant?
Isabel Bogdan: “Die meisten Lesungen waren im Sommer, kurz nach Erscheinen des Buchs. Es steht jetzt noch eine Lesung in Köln an (am 11. Januar im Buchladen Neusser Straße), hoffentlich eine in Lüneburg (da steht noch kein Termin fest), und es gibt einen Haufen Ideen, zu denen ich aber noch nichts sagen kann. Aktuelle Termine finden sich aber immer in meinem Blog.”

Gibt es Anfragen gewerblicher Art? Wie gehst Du damit um?
Isabel Bogdan: “Bislang gab es fürs Blog nur Anfragen der Art, ob ich nicht freundlich über einen Pizzaservice schreiben wolle, Bezahlung: eine Pizza. Solche Anfragen ignoriere ich. Anständige Angebote würde ich aber annehmen, ich könnte mir beispielsweise durchaus Werbung für Buchverlage vorstellen. Oder für andere Unternehmen, die auf irgendeine Weise zu mir und zum Blog passen. Was mich ansonsten sehr freuen würde, wären Aufträge von Zeitschriften. Ich würde herzlich gern weiterhin Sachen machen und darüber schreiben. Es gibt noch so viele ungemachte Sachen da draußen! Baggerfahren! LARP! Tupperparty! Body flying!”

Welche drei Projekte/Blogs/Initiativen möchtest Du außerdem empfehlen und warum?
Isabel Bogdan: “1. Fünf Bücher. Ein Blog, in dem Menschen fünf ihrer Lieblingsbücher vorstellen, ganz subjektiv, mit ein paar wenigen Sätzen. Da stöbere ich wirklich gern drin herum, einen Teil der Leute kenne ich aus dem Internet, andere gar nicht, es sind vollkommen unterschiedliche Personen mit ganz unterschiedlichen Vorlieben, sehr schöne Sache. Und mit viel Liebe betrieben von Melanie Voß und Philippe Wyssen.
2. Mein Freund Maximilian Buddenbohm und seine Familie suchen eine Wohnung in Hamburg. Da sie aber hauptsächlich St. Georg kennen (wo sie auch nicht wegwollen, aber die Mietpreise sind gerade vollkommen grotesk), bat Maximilian um Beschreibungen anderer Hamburger Stadtteile. Daraus entstand in allerkürzester Zeit unter dem Namen Der Rest von Hamburg eine unfangreiche Sammlung von Hamburger Stadtteilbeschreibungen, hinzu kam jede Menge Ruhrgebiet und viele andere Teile Deutschlands und der Welt. Alles unter dem Link zu finden, wirklich toll.
3. Ich habe phasenweise viel Spaß an quote.fm. Eine reine Artikel-Empfehlungs-Plattform, wo man tolle Sachen finden kann, dummerweise wird einem aber manchmal ein und derselbe Artikel zig Mal empfohlen (weil ihn eben alle toll finden), aber da muss man dann halt drüber hinweglesen.”

Was Du außerdem noch sagen möchtest …
Isabel Bogdan: “Danke für das Gespräch!”

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Hier findet man Isabell im Netz:
Blog: http://isabelbogdan.de/
Twitter: https://twitter.com/isabo_
Facebook: http://www.facebook.com/isabo

Das Buch Sachen machen: Was ich immer schon tun wollte kann man natürlich bei Amazon bestellen. Wer bei Isabel für genau 10 Euro (8,99 fürs Buch und 1,01 fürs Porto) direkt bestellt, erhält nicht nur eine Signatur, sondern auch zwei der oben abgebildeten Lesezeichen. Ein super Weihnachtsgeschenk! Alle weiteren Infos dazu findet ihr hier.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Heute mal außer Haus

  2. Schönes Interview! Und das Buch ist auch wirklich empfehlenswert – habe es selbst gelesen und für sehr inspirierende gefunden, auf alle Bereiche des Lebens bezogen!

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