Gemacht mit Liebe unterwegs
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gemachtmitliebe unterwegs: Das Edinburgh Yarnfestival 2016

Edinburg Yarnfestival 2016

Letztes Wochenende war es hier ruhig im Blog und dafür gab es einen guten Grund: Ich war nämlich in Schottland, genauer in Edinburgh beim Edinburgh Yarnfestival. Am Freitagmorgen ging es los, Montagabend waren wir zurück. Und ich bin noch immer so voller Eindrücke, Bilder, Gedanken und Ideen, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit Erzählen anfangen soll. Zweieinhalb Tage waren wir gerade mal eben in Schottland und trotz der so kurzen Zeit habe ich so wahnsinnig viel gesehen. Ein bisschen was vom Edinburgh Yarnfestival 2016 hatte ich in den letzten Tagen schon auf Twitter, Instagram und Facebook gezeigt, hier gibt´s aber nun noch die etwas ausführlicherer Geschichte.

Die Idee, nach Schottland zu reisen, enstand im letzten Herbst, als ich einen sehr netten Kontakt zu Mica vom Organisationsteam hatte. Irgendwie war sofort klar: Da muss ich auf jeden Fall hin. Edinburgh kannte ich bereits, wir waren auf unserer Hochzeitsreise 2012 ein paar Tage dort gewesen und damals hatte ich mich sofort so wohl in dieser Stadt gefühlt. Die Menschen sind wahnsinnig freundlich und entspannt, es gibt unheimlich viel zu sehen und so hatten wir ein paar sehr schöne Tage in Edinburgh, an die ich immer gerne zurückgedacht habe. Edinburgh nun wieder zu besuchen und das dann mit der Wolle zu kombinieren – das war einfach zu perfekt. Und das Beste: Mein Mann wollte auch unbedingt mit. Und so saßen wir dann letzten Freitag im Flieger von Frankfurt nach Edinburgh.

Gewohnt haben wir im Motel One direkt an der Waverly Station, also praktisch fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Zu Motel One muss ich glaube ich nicht viel erzählen, das Hotel sieht ja in jeder Stadt gleich aus. Ich mag es immer ganz gerne, denn der Style ist angenehm und dazu sind die Zimmer preislich immer ok. So dachten offensichtlich auch viele andere Deutsche, die in der Stadt unterwegs waren, gefühlterweise waren 50 Prozent der anderen Hotelbewohner auch aus Deutschland, hihi. Dabei auch einige Wollfestivalbesucher – am Freitagabend gab es sogar einen großen Stricktisch in der Lobby! Den halben Tag zuvor hatten wir damit verbracht, uns in der Stadt treiben zu lassen. Wir fuhren runter nach Leith und beguckten den Hafen, aßen Kaffee und Kuchen in einem sehr netten Cafe und waren abends in unserem „Stammpub“ in der Royal Mile – solche Dinge eben.

Samstag war dann der große Tag des Yarnfestivals. Der Veranstaltungsort, das Edinburgh Corn Exchange, lag etwas außerhalb. Und weil ich immer etwas orientierugnslos bin, bin ich einfach mit dem Taxi rausgefahren. Preislich mit 9 Pfund bei ca 25 Minuten Fahrt absolut ok. Mein Ticket für glaube ich 15 Pfunde hatte ich vorher schon online gebucht, was aber gar nicht nötig gewesen wäre, denn es gab praktisch überhaupt keine Schlange, an der man hätte anstehen müssen.

Edinburg Yarnfestival 1

Einmal durch den Eingangsbereich und die ersten Stände durch und hinein in die große Halle und schon war ich mittendrin im Wollparadies. Und anders könnte man das, was da in dieser Halle los war, auch wirklich nicht nennen. Ich habe leider gar nicht so wirklich viele Fotos gemacht, ich war einfach viel zu sehr mit Gucken beschäftigt. Und es gab wirklich wahnsinig viel zu sehen. Ich weiß nicht, wieviele Aussteller vor Ort waren, um die 100 waren es sicher, alles kleinere Anbieter. Und alle hatten sie Wolle, Wolle, Wolle…. Die Garne, die man dort zu sehen bekam, waren alle so ganz anders als das, was wir bei uns haben. Ich weiß nicht, wie ich es beschreien soll, auf mich wirkten sie alle viel natürlicher, echter und viel näher am ursprünglichen Material dran. Authentischer könnte man es vielleicht nennen. Und alle Garne waren so unterschiedlich, trotz der oft gleichen Materialzusammensetzungen. Ich habe so viele stark unterschiedliche Qualitäten gesehen und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich bin ja nun nicht der euphorischste Typ auf Erden, aber das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Dass es so viel mehr Unterschiede gibt, liegt vielleicht daran, dass Schottland natürlich eine ganz andere Wolltradition als Deutschland hat und es natürlich auch viel mehr Spinnereien und Webereien gibt. Und auch viel mehr kleine Unternehmen, die dann eben auch speziellere Garne herstellen. Bei uns arbeitet zum Beispiel ein Großteil der Handfärberinnen vor allem mit Garnen vom Atelier Zitron. Die sind natürlich auch sehr toll, aber man bekommt halt exakt diese Qualität bei fast allen Handfärbern. In Schottland läuft das offensichtlich so ganz anders.

Was mir auch aufgefallen ist: Lace war dort gar nicht so sehr das große Ding wie bei uns. Man hat zwar auch Lacegarne gesehen, aber eher wenige. Oder täusche ich mich da? Das meiste war Sport, DK, Light Worsted, Worsted und Aran, auch und vor allem bei Tüchern. Und dann die Farben, auch hier wieder ganz anders als bei uns. Ich empfand sie als viel bunter und fröhlicher. Und es wurde auch ganz anders kombiniert, viel frischer und auch moderner. Hier ein paar Eindrücke:

Edinburg Yarnfestival 4

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Und wisst Ihr, was auch ganz anders als auf deutschen Wollmessen war? Die Frauen drängten nicht so! Ganz ehrlich, ich gehe mittlerweile in Deutschland gar nicht mehr wirklich gerne auf Wollverkaufsveranstaltungen, weil es immer so ein Geschiebe ist – immer „ich, ich, ich!“. Die Halle beim Yarnfestival war wirklich proppevoll, besonders in der Mittagszeit. Und trotzdem: Kein Quetschen, kein Rempeln, kein Drängeln. Alle waren höflich und entspannt. Es war wirklich angenehm trotz der vielen Menschen, dass sogar ich keine Probleme hatte, obowhl ich es selten länger als eine halbe Stunde in Räumen mit vielen Menschen aushalten kann. Wunderbar!

Gehäkelt wurde natürlich auch auf dem Edinburgh Yarnfestival. Ich hatte vorher nicht nach den Ausstellern geguckt, was ich natürlich hätte machen können – gewünscht hatte ich mir aber sehr, dass Emma Lamb dort ist, denn ich bin großer Fan von ihr. Und sie war tatsächlich da! An ihrem Stand präsentierte sie ihr neues Buch vor (ich habe es mir vor ein paar Wochen gekauft und stelle es Euch nochmal näher vor bei nächster Gelegenheit) und vor allem aber gab es die tollen Sachen aus dem Buch auch live zu sehen. Das war schön, denn das Buch gucke ich mir so oft an und so kannte ich praktisch jedes einzelne Teil schon in und auswendig :-)

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Wunderschön, oder? Ein paar Stände weiter gab es dann weitere tolle Häkelsachen und zwar aus einer ganz phantastischen, sehr dicken Wolle (die ihr auch oben auf dem Headerfoto sehen könnt). Vor allem die Decke aus dem Giant-Grannysquare aus dem dicken Garn finde ich wahnsinnig toll. Ich möchte allerdings nicht wissen, was man dafür an Materialwert verarbeiten muss, püüüüh! Aber guckt selber:

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Stephen West war natürlich auch da, stets umringt von einer großen Traube Fans. Den Stand habe ich mir aber gar nicht so genau angeguckt, denn ich bin ja im Sommer für eine Weile in Amsterdam und dann schaue ich lieber mal ganz in Ruhe bei Stephen & Penelope rein.

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Wolle gekauft habe ich natürlich auch. Das war eigentlich gar nicht so geplant, jedenfalls nicht in dem Umfang, denn ich habe ja nun hier daheim eigentlich noch mehr als genug im Stash. Aber es ging einfach nicht anders. Und schliesslich bin ich immerhin bei den Ausgaben noch bei unter 100 Pfund geblieben. Das hier ist meine „Beute“:

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Vier Garne sind es geworden und eins ist spannender als das andere. Darüber erzähle ich dann aber in den nächsten Tagen noch mal genauerers.

Neben der großen Halle mit den vielen Ausstellern gab es natürlich noch einiges mehr – parallel gab es superviele Kurse in den Nebenräumen, einen sehr netten Außenbereich, in dem man bei schönstem Sonnenschein (ohne Jacke!) seinen Kaffee trinken konnte, in einer anderem riesigen Raum konnte man einfach so sitzen, quatschen und stricken (an runden Tischen auf bequemen gepolsterten Stühlen) und dazu gab es noch ausreichend Catering mit verschiedenen Sachen und einer erstaunlich großen Kuchenauswahl. Es war also genügend Raum, um einfach auch mal ganz in Ruhe irgendwo einfach nur sein zu können. Das war auch gut so, denn mir taten die Füße irgendwann ganz schön weh. Und es war alles ganz wunderbar unaufgeregt und super organisiert, obwohl wirklich viele, viele Menschen vor Ort waren. Die Kurse starteten bereits am Freitag, da hatte auch schon die Verkaufshalle offen, Sonntag gab es dann nochmal einen Kurstag ohne Verkauf. Ich selber war aber nur am Samstag da, aber das hat auch gereicht.

Es war alles in allem sehr, sehr inspirierend und hat mir auch mal wieder gezeigt, dass es da noch ganz viele andere, ganz wunderbare Dinge außerhalb des Strickmainstreams gibt und dass man ruhig immer mal ein bisschen weiter, bunter und mutiger denken sollte. Die lange Anreise hat sich also mehr als gelohnt für mich und auch, dass ich dafür in diesem Jahr nicht auf der zeitgleich stattfindenden h & h Cologne war – das war sicher auch spannend dort, aber es ist halt einfach was ganz anderes. Wenn Ihr also im nächsten Jahr die Möglichkeit habt, zum Edinburgh Yarnfestival 2017 zu fahren: Tut das, unbedingt!

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Kategorie: Gemacht mit Liebe unterwegs

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Daniela Warndorf ist Autorin, freie Redakteurin und Bloggerin Seit 2012 schreibt sie bei Gemacht mit Liebe über das Häkeln, Stricken und Selbermachen und hat sich mit der Gründung ihres Shops für schöne Wolle und Strickkits einen Traum erfüllt. Seit 2017 ist Gemacht mit Liebe in einem hübschen Ladenlokal in Köln Sülz zuhause.

10 Kommentare

  1. Pingback: Stricken am Loch Ness, ein geplanter Besuch bei den Man of Isle-Ziegen und Neues vom Wollfest Hamburg – Inspiration 151 | Gemacht mit Liebe

  2. Hallo Daniela!
    Was für ein schöner Bericht <3 Da wär ich supergern mit bei gewesen ;-) Gibts eigentlich in Deutschland auch solche Festivals? Wenn nicht, müsste man das glatt mal anregen :) Ansonsten ist Schottland eh so ein Traumreiseziel… Und da gehen mein Gatte und ich sogar konform. Vielleicht kann man ja mal drauf sparen!

    Die Impressionen machen wirklich Lust auf mehr! Und Deine Beute…da bin ich auch sehr sehr gespannt, was draus wird! Die Farben sehen klasse aus!

    Liebste Grüße
    Bine

  3. Ein toller, ausführlicher Bericht. Danke, dass du deine Eindrucke mit uns teilst!

    Ich bin eine Deutsche, die allerdings in England lebt und ich war sehr überrascht, wieviele Deutsche mir in ganz Edinburgh und auch in Glasgow über den Weg gelaufen sind. Ich fand das ungewohnt, aber toll, denn so kam ich tatsächlich mal wieder dazu, deutsch zu sprechen.

    EYF war ein schönes Event und ich fand auch, dass es wenig Gedrängel gab. Es ist allerings gut möglich, dass ich Leuten mit meinem kleinen Koffer über die Füße gefahren bin. Sorry! Der Ruf der Wolle war einfach zu stark.

  4. Christiane sagt

    Hallo Daniela, sehr spannend & informativ, dein Bericht – hatte schon darauf gewartet … habe richtig Lust bekommen, nächstes Jahr dorthin zu fahren. Ist der Termin für 2017 schon bekannt?

    • Hallo Christiane, Dankesehr! Ich weiß bisher noch von nichts, aber ich denke, dass das recht bald bekannt auf der Website vom Festival bekannt gegeben wird.

  5. Pingback: Markierungen 03/24/2016 - Snippets

  6. knightlyart sagt

    Oh Daniela,
    diesen Farben und die Qualität der Garne bringen meine Augen zum Leuchten!
    Ich habe deine Fotos auf Instagram schon bewundert, aber jetzt bin ich hin und weg! Ich will da auch mal unbedingt hin. Aber dafür muss ich unbedingt erstmal im Lotto gewinnen! Mit Wolle unter 100 Pfund komme ich da bestimmt nicht wieder raus!
    Viel Spaß beim Verstricken deiner neuen und wunderschönen Wolle,
    beste Grüße,
    Kirsten

    • Danke Danke!! Muss morgen nochmal Korrektur lesen, eben gesehen, dass ich ganz schön viele Wortdoppler habe, puh. Aber ich war vorhin so müde. Und jetzt wird gerade erstmal die Wolle oben rechts gestrickt :)

  7. Bea Behrens sagt

    Es ist doch immer wieder inspirierend, deinen Blog zu lesen. Vom Edinburgh yarn Festival habe ich noch nie gehört, es aber sofort in meine Reiselust aufgenommen. Danke für den schönen Bericht.
    Liebe Grüße, Bea

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